Project Gutenberg's Der junge Gelehrte, by Gotthold Ephraim Lessing

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Title: Der junge Gelehrte

Author: Gotthold Ephraim Lessing

Posting Date: October 3, 2014 [EBook #9369]
Release Date: November, 2005
First Posted: September 25, 2003

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER JUNGE GELEHRTE ***




Produced by Delphine Lettau, Mike Pullen, and Gutenberg Projekt-DE









Der junge Gelehrte

Ein Lustspiel in drei Aufzgen

Gotthold Ephraim Lessing

Verfertigt im Jahre 1747



Personen:

Chrysander, ein alter Kaufmann Damis, der junge Gelehrte, Chrysanders
Sohn Valer Juliane Anton, Bedienter des Damis Lisette

Der Schauplatz ist die Studierstube des Damis.




Erster Aufzug




Erster Auftritt

Damis (am Tische unter Bchern).  Anton.


Damis.  Die Post also ist noch nicht da?

Anton.  Nein.

Damis.  Noch nicht?  Hast du auch nach der rechten gefragt?  Die Post
von Berlin--

Anton.  Nun ja doch; die Post von Berlin; sie ist noch nicht da!  Wenn
sie aber nicht bald kmmt, so habe ich mir die Beine abgelaufen.  Tun
Sie doch, als ob sie Ihnen, wer wei was, mitbringen wrde!  Und ich
wette, wenn's hoch kmmt, so ist es eine neue Scharteke oder eine
Zeitung oder sonst ein Wisch.--

Damis.  Nein, mein guter Anton; dasmal mchte es etwas mehr sein.  Ah!
wann du es wtest--

Anton.  Will ich's denn wissen?  Es wrde mir weiter doch nichts
helfen, als da ich einmal wieder ber Sie lachen knnte.  Das ist mir
gewi etwas Seltnes?--Haben Sie mich sonst noch wohin zu schicken?
Ich habe ohnedem auf dem Ratskeller eine kleine Verrichtung;
vielleicht ist's ein Gang?  Nu?

Damis (erzrnt).  Nein, Schurke!

Anton.  Da haben wir's!  Er hat alles gelesen, nur kein
Komplimentierbuch.--Aber besinnen Sie sich.  Etwa in den Buchladen?

Damis.  Nein, Schurke!

Anton.  Ich mu das Schurke so oft hren, da ich endlich selbst
glauben werde, es sei mein Taufname.--Aber zum Buchbinder?

Damis.  Schweig, oder--

Anton.  Oder zum Buchdrucker?  Zu diesen dreien, Gott sei Dank! wei
ich mich, wie das Frbepferd um die Rolle.

Damis.  Sieht denn der Schlingel nicht, da ich lese?  Will er mich
noch lnger stren?

Anton (beiseite).  St!  Er ist im Ernste bse geworden.  Lenk ein,
Anton.--Aber, sagen Sie mir nur, was lesen Sie denn da fr ein Buch?
Potz Stern, was das fr Zeug ist!  Das verstehen Sie?  Solche
Krakelfe, solche frchterliche Zickzacke, die kann ein Mensch lesen?
Wann das nicht wenigstens Fausts Hllenzwang ist--Ach, man wei es ja
wohl, wie's den Leuten geht, die alles lernen wollen.  Endlich
verfhrt sie der bse Geist, da sie auch hexen lernen.--

Damis (nimmt sein muntres Wesen wieder an).  Du guter Anton!  Das ist
ein Buch in hebrischer Sprache.--Des Ben Maimon Jad chasaka.

Anton.  Ja doch; wer's nur glauben wollte!  Was Hebrisch ist, wei
ich endlich auch.  Ist es nicht mit der Grundsprache, mit der
Textsprache, mit der heiligen Sprache einerlei?  Die warf unser Pfarr,
als ich noch in die Schule ging, mehr als einmal von der Kanzel.  Aber
so ein Buch, wahrhaftig! hatte er nicht; ich habe alle seine Bcher
beguckt; ich mute sie ihm einmal von einem Boden auf den andern
rumen helfen.

Damis.  Ha! ha! ha! das kann wohl sein.  Es ist Wunders genug, wenn
ein Geistlicher auf dem Lande nur den Namen davon wei.  Zwar, im
Vertrauen, mein lieber Anton, die Geistlichen berhaupt sind schlechte
Helden in der Gelehrsamkeit.

Anton.  Nu, nu, bei allen trifft das wohl nicht ein.  Der Magister in
meinem Dorfe wenigstens gehrt unter die Ausnahme.  Versichert! der
Schulmeister selber hat mir es mehr als einmal gesagt, da er ein sehr
gelehrter Mann wre.  Und dem Schulmeister mu ich das glauben; denn
wie mir der Herr Pfarr oft gesagt hat, so ist er keiner von den
schlechten Schulmeistern; er versteht ein Wort Latein und kann davon
urteilen.

Damis.  Das ist lustig!  Der Schulmeister also lobt den Pfarr, und der
Pfarr, nicht unerkenntlich zu sein, lobt den Schulmeister.  Wenn mein
Vater zugegen wre, so wrde er gewi sagen: Manus manum lavat.  Hast
du ihm die alberne Gewohnheit nicht angemerkt, da er bei aller
Gelegenheit ein lateinisches Sprchelchen mit einflickt?  Der alte
Idiote denkt, weil er so einen gelehrten Sohn hat, msse er doch auch
zeigen, da er einmal durch die Schule gelaufen sei.

Anton.  Hab ich's doch gedacht, da es etwas Albernes sein msse; denn
manchmal mitten in der Rede murmelt er etwas her, wovon ich kein Wort
verstehe.

Damis.  Doch schliee nur nicht daraus, da alles albern sei, was du
nicht verstehst.  Ich wrde sonst viel albernes Zeug wissen.--Aber, o
himmlische Gelehrsamkeit, wieviel ist dir ein Sterblicher schuldig,
der dich besitzt!  Und wie bejammernswrdig ist es, da dich die
wenigsten in deinem Umfange kennen!  Der Theolog glaubt dich bei einer
Menge heiliger Sprche, frchterlicher Erzhlungen und einiger bel
angebrachten Figuren zu besitzen.  Der Rechtsgelehrte bei einer
unseligen Geschicklichkeit, unbrauchbare Gesetze abgestorbner Staaten,
zum Nachteile der Billigkeit und Vernunft, zu verdrehen und die
frchterlichsten Urtel in einer noch frchterlichern Sprache
vorzutragen.  Der Arzt endlich glaubt sich wirklich deiner bemchtiget
zu haben, wann er durch eine Legion barbarischer Wrter die Gesunden
krank und die Kranken noch krnker machen kann.  Aber, o betrogene
Toren! die Wahrheit lt euch nicht lange in diesem sie schimpfenden
Irrtume.  Es kommen Gelegenheiten, wo ihr selbst erkennet, wie
mangelhaft euer Wissen sei; voll tollen Hochmuts beurteilet ihr
alsdann alle menschliche Erkenntnis nach der eurigen und ruft wohl gar
in einem Tone, welcher alle Sterbliche zu bejammern scheinet, aus:
Unser Wissen ist Stckwerk!  Nein, glaube mir, mein lieber Anton: der
Mensch ist allerdings einer allgemeinen Erkenntnis fhig.  Es leugnen,
heit ein Bekenntnis seiner Faulheit oder seines migen Genies
ablegen.  Wenn ich erwge, wieviel ich schon nach meinen wenigen
Jahren verstehe, so werde ich von dieser Wahrheit noch mehr berzeugt.
Lateinisch, Griechisch, Hebrisch, Franzsisch, Englisch,
Italienisch--das sind sechs Sprachen, die ich alle vollkommen besitze:
und bin erst zwanzig Jahr alt!

Anton.  Sachte!  Sie haben eine vergessen; die deutsche--

Damis.  Es ist wahr, mein lieber Anton; das sind also sieben Sprachen;
und ich bin erst zwanzig Jahr alt!

Anton.  Pfui doch, Herr!  Sie haben mich oder sich selbst zum besten.
Sie werden doch das, da Sie Deutsch knnen, nicht zu Ihrer
Gelehrsamkeit rechnen?  Es war ja mein Ernst nicht.--

Damis.  Und also denkst du wohl selber Deutsch zu knnen?

Anton.  Ich? ich? nicht Deutsch!  Es wre ein verdammter Streich, wenn
ich Kalmuckisch redete und wte es nicht.

Damis.  Unter knnen und knnen ist ein Unterschied.  Du kannst
Deutsch, das ist: du kannst deine Gedanken mit Tnen ausdrcken, die
einem Deutschen verstndlich sind; das ist, die ebendie Gedanken in
ihm erwecken, die du bei dir hast.  Du kannst aber nicht Deutsch, das
ist: du weit nicht, was in dieser Sprache gemein oder niedrig, rauh
oder annehmlich, undeutlich oder verstndlich, alt oder gebruchlich
ist; du weit ihre Regeln nicht; du hast keine gelehrte Kenntnis von
ihr.

Anton.  Was einem die Gelehrten nicht weismachen wollen!  Wenn es nur
auf Ihr "das ist" ankme, ich glaube, Sie stritten mir wohl gar noch
ab, da ich essen knnte.

Damis.  Essen?  Je nun wahrhaftig, wenn ich es genau nehmen will, so
kannst du es auch nicht.

Anton.  Ich? ich nicht essen?  Und trinken wohl auch nicht?

Damis.  Du kannst essen, das ist: du kannst die Speisen zerschneiden,
in Mund stecken, kauen, herunterschlucken und so weiter.  Du kannst
nicht essen, das ist: du weit die mechanischen Gesetze nicht, nach
welchen es geschiehet; du weit nicht, welches das Amt einer jeden
dabei ttigen Muskel ist; ob der Digastrikus oder der Masseter, ob der
Pterygoideus internus oder externus, ob der Zygomatikus oder der
Platysmamyodes, ob--

Anton.  Ach ob, ob!  Das einzige Ob, worauf ich sehe, ist das, ob mein
Magen etwas davon erhlt und ob mir's bekmmt.--Aber wieder auf die
Sprache zu kommen.  Glauben Sie wohl, da ich eine verstehe, die Sie
nicht verstehen?

Damis.  Du, eine Sprache, die ich nicht verstnde?

Anton.  Ja; raten Sie einmal.

Damis.  Kannst du etwa Koptisch?

Anton.  Foptisch?  Nein, das kann ich nicht.

Damis.  Chinesisch?  Malabarisch?  Ich wte nicht woher.

Anton.  Wie Sie herumraten.  Haben Sie meinen Vetter nicht gesehn?  Er
besuchte mich vor vierzehn Tagen.  Der redete nichts als diese Sprache.

Damis.  Der Rabbi, der vor kurzen zu mir kam, war doch wohl nicht dein
Vetter?

Anton.  Da ich nicht gar ein Jude wre!  Mein Vetter war ein Wende;
ich kann Wendisch; und das knnen Sie nicht.

Damis (nachsinnend).  Er hat recht.--Mein Bedienter soll eine Sprache
verstehen, die ich nicht verstehe?  Und noch dazu eine Hauptsprache?
Ich erinnere mich, da ihre Verwandtschaft mit der hebrischen sehr
gro sein soll.  Wer wei, wieviel Stammwrter, die in dieser verloren
sind, ich in jener entdecken knnte!--Das Ding fngt mir an, im Kopfe
herumzugehen!

Anton.  Sehen Sie!--Doch wissen Sie was?  Wenn Sie mir meinen Lohn
verdoppeln, so sollen Sie bald so viel davon verstehen als ich selbst.
Wir wollen fleiig miteinander wendisch parlieren, und--Kurz,
berlegen Sie es.  Ich vergesse ber dem verdammten Plaudern meinen
Gang auf den Ratskeller ganz und gar.  Ich bin gleich wieder zu Ihren
Diensten.

Damis.  Bleib itzt hier; bleib hier.

Anton.  Aber Ihr Herr Vater kmmt.  Hren Sie?  Wir knnten doch nicht
weiterreden.  (Geht ab.)

Damis.  Wenn mich doch mein Vater ungestrt lassen wollte.  Glaubt er
denn, da ich so ein Miggnger bin wie er?




Zweiter Auftritt

Damis.  Chrysander.


Chrysander.  Immer ber den verdammten Bchern!  Mein Sohn, zuviel ist
zuviel.  Das Vergngen ist so ntig als die Arbeit.

Damis.  O Herr Vater, das Studieren ist mir Vergngens genug.  Wer
neben den Wissenschaften noch andere Ergtzungen sucht, mu die wahre
Sigkeit derselben noch nicht geschmeckt haben.

Chrysander.  Das sage nicht!  Ich habe in meiner Jugend auch studiert;
ich bin bis auf das Mark der Gelehrsamkeit gekommen.  Aber da ich
bestndig ber den Bchern gelegen htte, das ist nicht wahr.  Ich
ging spazieren; ich spielte; ich besuchte Gesellschaften; ich machte
Bekanntschaft mit Frauenzimmern.  Was der Vater in der Jugend getan
hat, kann der Sohn auch tun; soll der Sohn auch tun.  A bove majori
discat arare minor! wie wir Lateiner reden.  Besonders das
Frauenzimmer la dir, wie wir Lateiner reden, de meliori empfohlen
sein!  Das sind Narren, die einen jungen Menschen vor das Frauenzimmer
rger als vor Skorpionen warnen; die es ihm, wie wir Lateiner reden,
cautius sanguine viperino zu fliehen befehlen.--

Damis.  Cautius sanguine viperino?  Ja, das ist noch Latein!  Aber wie
heit die ganze Stelle?

Cur timet flavum Tiberim tangere? cur olivum Sanguine viperino Cautius
vitat?--

Oh, ich hre schon, Herr Vater, Sie haben auch nicht aus der Quelle
geschpft!  Denn sonst wrden Sie wissen, da Horaz in ebender Ode die
Liebe als eine sehr nachteilige Leidenschaft beschreibt, und das
Frauenzimmer--

Chrysander.  Horaz!  Horaz!  Horaz war ein Italiener und meinet das
italienische Frauenzimmer.  Ja vor dem italienischen warne ich dich
auch! das ist gefhrlich!  Ich habe einen guten Freund, der in seiner
Jugend--Doch still! man mu kein rgernis geben.--Das deutsche
Frauenzimmer hingegen, o das deutsche! mit dem ist es ganz anders
beschaffen.--Ich wrde der Mann nicht geworden sein, der ich doch bin,
wenn mich das Frauenzimmer nicht vollends zugestutzt htte.  Ich
dchte, man she mir's an.  Du hast tote Bcher genug gelesen; guck
einmal in ein lebendiges!

Damis.  Ich erstaune--

Chrysander.  O du wirst noch mehr erstaunen, wenn du erst tiefer
hineingehen wirst.  Das Frauenzimmer, mut du wissen, ist fr einen
jungen Menschen eine neue Welt, wo man so viel anzugaffen, so viel zu
bewundern findet--

Damis.  Hren Sie mich doch!  Ich erstaune, will ich sagen, Sie eine
Sprache fhren zu hren, in der wahrhaftig diejenigen Vorschriften
nicht ausgedruckt waren, die Sie mir mit auf die hohe Schule gaben.

Chrysander.  Quae, qualis, quanta!  Jetzt und damals!  Tempora
mutantur! wie wir Lateiner sagen.

Damis.  Tempora mutantur?  Ich bitte Sie, legen Sie doch die
Vorurteile des Pbels ab.  Die Zeiten ndern sich nicht.  Denn lassen
Sie uns einmal sehen: was ist die Zeit?--

Chrysander.  Schweig! die Zeit ist ein Ding, das ich mir mit deinem
unntzen Geplaudre nicht will verderben lassen.  Meine damaligen
Vorschriften waren nach dem damaligen Mae deiner Erfahrung und deines
Verstandes eingerichtet.  Nun aber traue ich dir von beiden so viel zu,
da du Ergtzlichkeiten nicht zu Beschftigungen machen wirst.  Aus
diesem Grunde rate ich dir also--

Damis.  Ihre Reden haben einigen Schein der Wahrheit.  Allein ich
dringe tiefer.  Sie werden es gleich sehen.  Der Status Controversi
ist--

Chrysander.  Ei, der Status Controversi mag meinetwegen in Barbara
oder in Celarent sein.  Ich bin nicht hergekommen mit dir zu
disputieren, sondern--

Damis.  Die Kunstwrter des Disputierens zu lernen?  Wohl!  Sie mssen
also wissen, da weder Barbara noch Celarent den Statum--

Chrysander.  Ich mchte toll werden!  Bleib Er mir, Herr Informator,
mit den Possen weg, oder--

Damis.  Possen? diese seltsamen Benennungen sind zwar berbleibsel der
scholastischen Philosophie, das ist wahr; aber doch solche
berbleibsel--

Chrysander.  ber die ich die Geduld verlieren werde, wann du mich
nicht bald anhrst.  Ich komme in der ernsthaftesten Sache von der
Welt zu dir,--denn was ist ernsthafter als heiraten?--und du--

Damis.  Heiraten?  Des Heiratens wegen zu mir? zu mir?

Chrysander.  Ha! ha!  Macht dich das aufmerksam?  Also ausculta et
perpende!

Damis.  Ausculta et perpende? ausculta et perpende?  Ein glcklicher
Einfall--

Chrysander.  Oh, ich habe Einflle--

Damis.  Den ich da bekomme!

Chrysander.  Du?

Damis.  Ja, ich.  Wissen Sie, wo sich dieses ausculta et perpende
herschreibt?  Eben mache ich die Entdeckung; aus dem Homer.  O was
finde ich nicht alles in meinem Homer?

Chrysander.  Du und dein Homer, ihr seid ein paar Narren!

Damis.  Ich und Homer?  Homer und ich? wir beide?  Hi! hi! hi!  Gewi,
Herr Vater?  O ich danke, ich danke.  Ich und Homer!  Homer und ich!
--Aber hren Sie nur: sooft Homer--er war wirklich kein Narr, so wenig
wie ich--sooft er, sag ich, seine Helden den Soldaten zur Tapferkeit
ermuntern oder in dem Kriegsrate eine Beratschlagung anheben lt;
sooft ist auch der Anfang ihrer Rede: Hret, was ich vortragen werde,
und berlegt es!  Zum Exempel in der Odyssee:

"Keklute dae nun meu, Ithakhsioi, oti ken eipo." [Greek]

Und darauf folgt denn auch oft:

"Oy eiath' oi d' ara tau mala men chluon, aed' epithonto," [Greek]

das ist: so sprach er, und sie gehorchten dem, was sie gehret hatten.

Chrysander.  Gehorchten sie ihm?  Nu, das ist vernnftig!  Homer mag
doch wohl kein Narr sein.  Sieh zu, da ich von dir auch widerrufen
kann.  Denn wieder zur Sache: ich kenne, mein Sohn--

Damis.  Einen kleinen Augenblick Geduld, Herr Vater.  Ich will mich
nur hinsetzen und diese Anmerkung aufschreiben.

Chrysander.  Aufschreiben? was ist hier aufzuschreiben?  Wem liegt
daran, ob das Sprchelchen aus dem Homer oder aus dem Gesangbuche ist?

Damis.  Der gelehrten Welt liegt daran; meiner und Homers Ehre lieget
daran!  Denn ein Halbhundert solche Anmerkungen machen einen
Philologen.  Und sie ist neu, mu ich Ihnen sagen, sie ist ganz neu.

Chrysander.  So schreib sie ein andermal auf.

Damis.  Wenn sie mir aber wieder entfiele?  Ich wrde untrstlich sein.
Haben Sie wenigstens die Gtigkeit, mich wieder daran zu erinnern.

Chrysander.  Gut, das will ich tun; hre mir nur jetzt zu.  Ich kenne,
mein Sohn, ein recht allerliebstes Frauenzimmer; und ich wei, du
kennst es auch.  Httest du wohl Lust--

Damis.  Ich soll ein Frauenzimmer, ein liebenswrdiges Frauenzimmer
kennen?  Oh, Herr Vater, wenn das jemand hrte, was wrde er von
meiner Gelehrsamkeit denken?--Ich ein liebenswrdiges Frauenzimmer?--

Chrysander.  Nun wahrhaftig; ich glaube nicht, da ein Gastwirt so
erschrecken kann, wenn man ihm schuld gibt, er kenne den oder jenen
Spitzbuben, als du erschrickst, weil du ein Frauenzimmer kennen sollst.
Ist denn das ein Schimpf?

Damis.  Wenigstens ist es keine Ehre, besonders fr einen Gelehrten.
Mit wem man umgeht, dessen Sitten nimmt man nach und nach an.  Jedes
Frauenzimmer ist eitel, hoffrtig, geschwtzig, znkisch und
zeitlebens kindisch, es mag so alt werden, als es will.  Jedes
Frauenzimmer wei kaum, da es eine Seele hat, um die es unendlich
mehr besorgt sein sollte als um den Krper.  Sich ankleiden,
auskleiden und wieder anders ankleiden; vor dem Spiegel sitzen, seinen
eignen Reiz bewundern; auf ausgeknstelte Mienen sinnen; mit
neugierigen Augen mig an dem Fenster liegen: unsinnige Romane lesen
und aufs hchste zum Zeitvertreibe die Nadel zur Hand nehmen: das sind
seine Beschftigungen; das ist sein Leben.  Und Sie glauben, da ein
Gelehrter, ohne Nachteil seines guten Namens, solche nrrische
Geschpfe weiter als ihrer uerlichen Gestalt nach kennen drfe?

Chrysander.  Mensch, Mensch! deine Mutter kehrt sich im Grabe um.
Bedenke doch, da sie auch ein Frauenzimmer war!  Bedenke doch, da
die Dinger von Natur nun einmal nicht anders sind!  Obschon, wie wir
Lateiner zu reden pflegen, nulla regula sine exceptione.  Und so eine
Exzeption ist sicherlich das Mdchen, das ich jetzt im Kopfe habe und
das du kennst.--

Damis.  Nein, nein! ich schwre es Ihnen zu; unsere Muhmen ausgenommen
und Julianen--

Chrysander.  Und Julianen? bene!--

Damis.  Und ihr Mdchen ausgenommen, kenne ich kein einziges Weibsbild.
Ja, der Himmel soll mich strafen, wenn ich mir jemals in den Sinn
kommen lasse, mehrere kennenzulernen!

Chrysander.  Je nun, auch das! wie du willst!  Genug, Julianen, die
kennst du.

Damis.  Leider!

Chrysander.  Und eben Juliane ist es, ber die ich deine Gedanken
vernehmen mchte.--

Damis.  ber Julianen? meine Gedanken ber Julianen?  O Herr Vater,
wenn Sie noch meine Gedanken ber Erinnen oder Korinnen, ber
Telesillen oder Praxillen verlangten--

Chrysander.  Schocktausend! was sind das fr Illen?  Den Augenblick
schwur er, er kenne kein Frauenzimmer, und nun nennt er ein halb
Dutzend Menscher.--

Damis.  Menscher?  Herr Vater!

Chrysander.  Ja, Herr Sohn, Menscher!  Die Endung gibt's gewi nicht?
Netrix, Lotrix, Meretrix.--

Damis.  Himmel, Menscher! griechische berhmte Dichterinnen Menscher
zu nennen!--

Chrysander.  Ja, ja, Dichterinnen! das sind mir eben die rechten.
Lotrix, Meretrix, Poetrix--

Damis.  Poetrix?  O wehe, meine Ohren!  Poetria mten Sie sagen: oder
Poetris--

Chrysander.  Is oder ix, Herr Buchstabenkrmer!




Dritter Auftritt

Chrysander.  Damis.  Lisette.


Lisette.  Hurtig herunter in die Wohnstube, Herr Chrysander!  Man will
Sie sprechen.

Chrysander.  Nun, was fr ein Narr mu mich jetzo stren?  Wer ist es
denn?

Lisette.  Soll ich alle Narren kennen?

Chrysander.  Was sagst du?  Du hast ein unglckliches Maul, Lisette.
Einen ehrlichen Mann einen Narren zu schimpfen?  Denn ein ehrlicher
Mann mu es doch sein; was wollte er sonst bei mir?

Lisette.  Nu, nu; verzeihen Sie immer meinem Maule den Fehler des
Ihrigen.

Chrysander.  Den Fehler des meinigen?

Lisette.  O gehen Sie doch! der ehrliche Mann wartet.

Chrysander.  La ihn warten.  Habe ich doch den Narren nicht kommen
heien.--Ich werde gleich wieder da sein, mein Sohn.

Lisette (beiseite).  Ich mu doch sehen, ob ich aus dem wunderlichen
Einfall meiner Jungfer etwas machen kann.




Vierter Auftritt

Lisette.  Damis.


Damis.  Nun? geht Lisette nicht mit?

Lisette.  Ich bin Ihre gehorsamste Dienerin.  Wenn Sie befehlen, so
werde ich gehorchen.  Aber nur eines mchte ich erst wissen.  Sagen
Sie mir, um des Himmels willen, wie knnen Sie bestndig so allein
sein?  Was machen Sie denn den ganzen Tag auf Ihrer Studierstube?
Werden Ihnen denn nicht alle Augenblicke zu Stunden?

Damis.  Ach, was nutzen die Fragen?  Fort! fort!

Lisette.  ber den Bchern knnen Sie doch unmglich die ganze Zeit
liegen.  Die Bcher, die toten Gesellschafter!  Nein, ich lobe mir das
Lebendige; und das ist auch Mamsell Julianens Geschmack.  Zwar dann
und wann lesen wir auch; einen irrenden Ritter, eine Banise, und so
etwas Gutes; aber lnger als eine Stunde halten wir es hintereinander
nicht aus.  Ganze Tage damit zuzubringen wie Sie, hilf Himmel! in den
ersten dreien wren wir tot.  Und vollends nicht ein Wort dabei zu
reden wie Sie; das wre unsre Hlle.  Ein Vorzug des ganzen mnnlichen
Geschlechts kann es nicht sein, weil ich Mannspersonen kenne, die so
flchtig und noch flchtiger sind als wir.  Es mssen nur sehr wenig
groe Geister diese besondere Gaben besitzen.--

Damis.  Lisette spricht so albern eben nicht.  Es ist schade, da ein
so guter Mutterwitz nicht durch die Wissenschaften ausgebessert wird.

Lisette.  Sie machen mich schamrot.  Bald drfte ich mich dafr rchen
und Ihnen die Lobeserhebungen nacheinander erzhlen, die Ihnen von der
gestrigen Gartengesellschaft gemacht wurden.  Doch ich will Ihre
Bescheidenheit nicht beleidigen.  Ich wei, die Gelehrten halten auf
diese Tugend allzuviel.

Damis.  Meine Lobeserhebungen? meine?

Lisette.  Ja, ja, die Ihrigen.

Damis.  O besorge Sie nichts, meine liebe Lisette.  Ich will sie als
die Lobeserhebungen eines andern betrachten, und so kann meine
Bescheidenheit zufrieden sein.  Erzhle Sie mir sie nur.  Blo wegen
Ihrer lebhaften und ungeknstelten Art, sich auszudrcken, wnsche ich
sie zu hren.

Lisette.  O meine Art ist wohl keine von den besten.  Es hat mir ein
Lehrmeister wie Sie gefehlt.  Doch ich will Ihrem Befehle gehorchen.
Sie wissen doch wohl, wer die Herren waren, die gestern bei Ihrem
Herrn Vater im Garten schmauseten?

Damis.  Nein, wahrhaftig nicht.  Weil ich nicht dabeisein wollte, so
habe ich mich auch nicht darum bekmmert.  Hoffentlich aber werden es
Leute gewesen sein, die selbst lobenswrdig sind, da man sich also
auf ihr Lob etwas einbilden kann.

Lisette.  Das sind sie so ziemlich.  Was wrde es Ihnen aber
verschlagen, wenn sie es auch nicht wren?  Sie wollen ja Ihre
Lobeserhebungen aus Bescheidenheit als fremde betrachten.  Und hngt
denn die Wahrheit von dem Munde desjenigen ab, der sie vortrgt?
Hren Sie nur--

Damis.  Himmel! ich hre meinen Vater wiederkommen.  Um Gottes willen,
liebe Lisette, da er nicht merkt, da Sie sich so lange bei mir
aufgehalten hat.  Geh Sie hurtig unterdessen in das Kabinett.




Fnfter Auftritt

Damis.  Chrysander.


Chrysander.  Der verzweifelte Valer! er htte mir zu keiner
ungelegnern Zeit kommen knnen.  Mu ihn denn der Henker eben heute
von Berlin zurckfhren?  Und mu er sich denn eben gleich bei mir
anmelden lassen?  Hui da--Nein, Herr Valer, damit kommen Sie zu spt.
--Nun mein Sohn--(Damis steht zerstreut, als in tiefen Gedanken.)
Hrst du, mein Sohn?

Damis.  Ich hre; ich hre alles.

Chrysander.  Kurz, du merkst doch, wo ich vorhin hinauswollte?  Einem
Klugen sind drei Worte genug.  Sapienti sat! sagen wir Lateiner.
--Antworte doch--

Damis (noch immer als in Gedanken).  Was ist da zu antworten?--

Chrysander.  Was da zu antworten ist?--Das will ich dir sagen.
--Antworte, da du mich verstanden; da dir mein Antrag lieb ist; da
dir Juliane gefllt; da du mir in allem gehorchen willst.--Nun,
antwortest du das?--

Damis.  Ich will gleich sehn--(Indem er in der angenommenen
Zerstreuung nach einem Buche greift.)

Chrysander.  Was kann in dem Buche davon stehen?--Antworte aus dem
Herzen und nicht aus dem Buche.--Ex libro doctus quilibet esse potest;
sagen wir Lateiner.--

Damis (als ob er in dem Buche lse).  Vollkommen recht!  Aber nun wie
weiter?--

Chrysander.  Das weitere gibt sich, wie 's Griechische.  Du sagst ja;
sie sagt ja; damit wird Verlbnis; und bald darauf wird Hochzeit; und
alsdenn--Du wirst schon sehen, wie's alsdenn weitergeht.--

Damis.  Wenn nun aber diese Voraussetzung--(Immer noch als ob er lse.)

Chrysander.  Ei, ich setze nichts voraus, was im geringsten
zweifelhaft wre.  Juliane ist eine Waise; ich bin ihr Vormund; ich
bin dein Vater; was mu mir angelegner sein, als euch beide glcklich
zu machen?  Ihr Vater war mein Freund und war ein ehrlicher Mann,
obgleich ein Narr.  Er htte einen honetten Bankerott machen knnen;
seine Glubiger wrden aufs Drittel mit sich haben akkordieren lassen;
und er war so einfltig und bezahlte bis auf den letzten Heller.  Wie
ist mir denn? hast du ihn nicht gekannt?

Damis.  Von Person nicht.  Aber seine Lebensumstnde sind mir ganz
wohl bewut.  Ich habe sie, ich wei nicht in welcher Biographie,
gelesen'

Chrysander.  Gelesen? gedruckt gelesen?

Damis.  Ja, ja; gelesen.  Er ward gegen die Mitte des vorigen
Jahrhunderts geboren und ist, etwa vor zwanzig Jahren, als
Generalsuperintendent in Pommern gestorben.  In orientalischen
Sprachen war seine vornehmste Strke.  Allein seine Bcher sind nicht
alle gleich gut.  Dieses ist noch eines von den besten.  Eine
besondere Gewohnheit soll der Mann an sich gehabt haben--

Chrysander.  Von wem sprichst denn du?

Damis.  Sie fragen mich ja, ob mir der Verfasser dieses Buchs bekannt
wre?

Chrysander.  Ich glaube, du trumest; oder es geht gar noch etwas
rgers in deinem Gehirne vor.  Ich frage dich, ob du Julianens Vater
noch gekannt hast?

Damis.  Verzeihen Sie mir, wann ich ein wenig zerstreut geantwortet
habe!  Ich dachte eben nach,--warum wohl die Rabbinen--das Schurek
M'lo Pum heien.

Chrysander.  Mit dem verdammten Schurek!  Gib doch auf das acht, was
der Vater mit dir spricht!--(Er nimmt ihm das Buch aus der Hand.) Du
hast ihn also nicht gekannt?  Ich besinne mich; es ist auch nicht wohl
mglich.  Als er starb, war Juliane noch sehr jung.  Ich nahm sie
gleich nach seinem Tode in mein Haus, und Gott sei Dank! sie hat viel
Wohltaten hier genossen.  Sie ist schn, sie ist tugendhaft; wem
sollte ich sie also lieber gnnen als dir?  Was meinst du?--Antworte
doch!  Stehst du nicht da, als wenn du schliefest!--

Damis.  Ja, ja, Herr Vater.  Nur eins ist noch dabei zu erwgen.--

Chrysander.  Du hast recht; freilich ist noch eins dabei zu erwgen:
ob du dich nmlich geschickt befindest, bald ein ffentliches Amt
anzunehmen, weil doch--

Damis.  Wie? geschickt? geschickt?  Sie zweifeln also an meiner
Geschicklichkeit?--Wie unglcklich bin ich, da ich Ihnen nicht
sogleich die unwidersprechlichsten Beweise geben kann!  Doch es soll
noch diesen Abend geschehen.  Glauben Sie mir, noch diesen Abend.--Die
verdammte Post!  Ich wei auch nicht, wo sie bleibt.

Chrysander.  Beruhige dich nur, mein Sohn.  Die Frage geschahe eben
aus keinem Mitrauen, sondern blo weil ich glaube, es schicke sich
nicht, eher zu heiraten, als bis man ein Amt hat; so wie es sich,
sollte ich meinen, auch nicht wohl schickt, eher ein Amt anzunehmen,
als bis man wei, woher man die Frau bekommen will.

Damis.  Ach, was heiraten? was Frau?  Erlauben Sie mir, da ich Sie
allein lasse.  Ich mu ihn gleich wieder auf die Post schicken.  Anton!
Anton!  Doch es ist mit dem Schlingel nichts anzufangen; ich mu nur
selbst gehen.




Sechster Auftritt

Anton.  Chrysander.


Anton.  Rufte mich nicht Herr Damis?  Wo ist er? was soll ich?

Chrysander.  Ich wei nicht, was ihm im Kopfe steckt.  Er ruft dich;
er will dich auf die Post schicken; er besinnt sich, da mit dir
Schlingel nichts anzufangen ist, und geht selber.  Sage mir nur,
willst du zeitlebens ein Esel bleiben?

Anton.  Gemach, Herr Chrysander! ich nehme an den Torheiten Ihres
Sohnes keinen Teil.  Mehr als zwlfmal habe ich ihm heute schon auf
die Post laufen mssen.  Er verlangt Briefe von Berlin.  Ist es meine
Schuld, da sie nicht kommen?

Chrysander.  Der wunderliche Heilige!  Du bist aber nun schon so lange
um ihn; solltest du nicht sein Gemt, seine Art zu denken ein wenig
kennen?

Anton.  Ha! ha! das kmmt darauf hinaus, was wir Gelehrten die
Kenntnis der Gemter nennen?  Darin bin ich Meister; bei meiner Ehre!
Ich darf nur ein Wort mit einem reden; ich darf ihn nur ansehen: husch,
habe ich den ganzen Menschen weg!  Ich wei sogleich, ob er
vernnftig oder eigensinnig, ob er freigebig oder ein Knicker--

Chrysander.  Ich glaube gar, du zeigst auf mich?

Anton.  O kehren Sie sich an meine Hnde nicht!--Ob er--

Chrysander.  Du sollst deine Kunst gleich zeigen!  Ich habe meinem
Sohne eine Heirat vorgeschlagen: nun sage einmal, wenn du ihn kennst,
was wird er tun?

Anton.  Ihr Herr Sohn?  Herr Damis?  Verzeihen Sie mir, bei dem geht
meine Kunst, meine sonst so wohl versuchte Kunst, betteln.

Chrysander.  Nu, Schurke, so geh mit und prahle nicht!

Anton.  Die Gemtsart eines jungen Gelehrten kennen wollen und etwas
daraus schlieen wollen, ist unmglich; und was unmglich ist, Herr
Chrysander--das ist unmglich.

Chrysander.  Und wieso?

Anton.  Weil er gar keine hat.

Chrysander.  Gar keine?

Anton.  Nein, nicht gar keine; sondern alle Augenblicke eine andre.
Die Bcher und die Exempel, die er liest, sind die Winde, nach welchen
sich der Wetterhahn seiner Gedanken richtet.  Nur bei dem Kapitel vom
Heiraten stehenzubleiben, weil das einmal auf dem Tapete ist, so
besinne ich mich, da--Denn vor allen Dingen mssen Sie wissen, da
Herr Damis nie etwas vor mir verborgen hat.  Ich bin von jeher sein
Vertrauter gewesen und von jeher der, mit dem er sich immer am
liebsten abgegeben hat.  Ganze Tage, ganze Nchte haben wir manchmal
auf der Universitt miteinander disputiert.  Und ich wei nicht, er
mu doch so etwas an mir finden; etwa eine Eigenschaft, die er an
andern nicht findet--

Chrysander.  Ich will dir sagen, was das fr eine Eigenschaft ist:
deine Dummheit!  Es ergtzt ihn, wenn er sieht, da er gelehrter ist
als du.  Bist du nun vollends ein Schalk und widersprichst ihm nicht
und lobst ihn ins Gesicht und bewunderst ihn--

Anton.  Je verflucht! da verraten Sie mir ja meine ganze Politik!  Wie
schlau ein alter Kaufmann nicht ist!

Chrysander.  Aber vergi das Hauptwerk nicht!  Vom Heiraten--

Anton.  Ja darber hat er schon Teufelsgrillen im Kopfe gehabt.  Zum
Exempel: ich wei die Zeit, da er gar nicht heiraten wollte.

Chrysander.  Gar nicht? so mu ich noch heiraten.  Ich werde doch
meinen Namen nicht untergehen lassen?  Der Bsewicht!  Aber warum denn
nicht?

Anton.  Darum: weil es einmal Gelehrte gegeben hat, die geglaubt haben,
der ehelose Stand sei fr einen Gelehrten der schicklichste.  Gott
wei, ob diese Herren allzu geistlich oder allzu fleischlich sind
gesinnt gewesen!  Als ein knftiger Hagestolz hatte er sich schon auf
verschiedene sinnreiche Entschuldigungen gefat gemacht.--

Chrysander.  Auf Entschuldigungen? kann sich so ein ruchloser Mensch,
der dieses heilige Sakrament--Denn im Vorbeigehen zu sagen, ich bin
mit unsern Theologen gar nicht zufrieden, da sie den Ehestand fr
kein Sakrament wollen gelten lassen--der, sage ich, dieses heilige
Sakrament verachtet, kann der sich noch unterstehen, seine
Gottlosigkeit zu entschuldigen?  Aber, Kerl, ich glaube, du machst mir
etwas weis; denn nur vorhin schien er ja meinen Vorschlag zu billigen.

Anton.  Das ist unmglich richtig zugegangen.  Wie stellte er sich
dabei an?  Lassen Sie sehen; stand er etwa da, als wenn er vor den
Kopf geschlagen wre? sahe er etwa steif auf die Erde? legte er etwa
die Hand an die Stirne? griff er etwa nach einem Buche, als wenn er
darin lesen wollte? lie er Sie etwa ungestrt fortreden?

Chrysander.  Getroffen! du malst ihn, als ob du ihn gesehen httest.

Anton.  O da sieht es windig aus!  Wann er es so macht, will er haben,
da man ihn fr zerstreut halten soll.  Ich kenne seine Mucken.  Er
hrt alsdenn alles, was man ihm sagt; allein die Leute sollen glauben,
er habe es vor vielem Nachsinnen nicht gehrt.  Er antwortet zuweilen
auch; wenn man ihm aber seine Antwort wieder vorlegt, so wird er
nimmermehr zugestehen, da sie auf das gegangen sei, was man von ihm
hat wissen wollen.

Chrysander.  Nun, wer noch nicht gestehen will, da zu viel
Gelehrsamkeit den Kopf verwirre, der verdient es selber zu erfahren.
Gott sei Dank, da ich in meiner Jugend gleich das rechte Ma zu
treffen wute!  Omne nimium vertitur in vitulum: sagen wir Lateiner
sehr spahaft.--Aber Gott sei dem Bsewichte gndig, wann er auf dem
Vorsatze verharret!  Wann er behauptet, es sei nicht ntig, zu
heiraten und Kinder zu zeugen, will er mir damit nicht zu verstehn
geben, es sei auch nicht ntig gewesen, da ich ihn gezeugt habe?  Der
undankbare Sohn!

Anton.  Es ist wahr, kein grter Undank kann unter der Sonne sein,
als wenn ein Sohn die viele Mhe nicht erkennen will, die sein Vater
hat ber sich nehmen mssen, um ihn in die Welt zu setzen.

Chrysander.  Nein; gewi, an mir soll der heilige Ehestand seinen
Verteidiger finden!

Anton.  Der Wille ist gut; aber lauter solche Verteidiger wrden die
Konsumtionsakzise ziemlich geringe machen.

Chrysander.  Wieso?

Anton.  Bedenken Sie es selbst! drei Weiber, und von der dritten kaum
einen Sohn.

Chrysander.  Kaum? was willst du mit dem, kaum sagen, Schlingel?

Anton.  Hui, da Sie etwas Schlimmers darunter verstehn als ich.

Chrysander.  Zwar im Vertrauen, Anton: wenn die Weiber vor zwanzig
Jahren so gewesen wren, wie die Weiber jetzo sind, ich wrde auf
wunderbare Gedanken geraten.  Er hat gar zu wenig von mir!  Doch die
Weiber vor zwanzig Jahren waren so frech noch nicht wie die jetzigen;
so treulos noch nicht, wie sie heutzutage sind; so lstern noch nicht--

Anton.  Ist das gewi?  Nun wahrhaftig, so hat man meiner Mutter
unrecht getan, die vor 33 Jahren von ihrem Manne, der mein Vater nicht
sein wollte, geschieden wurde!  Doch das ist ein Punkt, woran ich
nicht gern denke.  Die Grillen Ihres Herrn Sohns sind lustiger.

Chrysander.  rgerlicher, sprich!  Aber sage mir, was waren denn
seine Entschuldigungen?

Anton.  Seine Entschuldigungen waren Einflle, die auf seinem Miste
nicht gewachsen waren.  Er sagte zum Exempel, solange er unter vierzig
Jahren sei und ihn jemand um die Ursache fragen wrde, warum er nicht
heirate, wolle er antworten, er sei zum Heiraten noch zu jung.  Wre
er aber ber vierzig Jahr, so wolle er sprechen, nunmehr sei er zum
Heiraten zu alt.  Ich wei nicht, wie der Gelehrte hie, der auch so
soll gesagt haben.--Ein anderer Vorwand war der: er heiratete deswegen
nicht, weil er alle Tage willens wre, ein Mnch zu werden; und wrde
deswegen kein Mnch, weil er alle Tage gedchte zu heiraten.

Chrysander.  Was? nun will er auch gar ein Mnch werden?  Da sieht man,
wohin so ein bses Gemt, das keine Ehrfurcht fr den heiligen
Ehestand hat, verfallen kann!  Das htte ich nimmermehr in meinem
Sohne gesucht!

Anton.  Sorgen Sie nicht! bei Ihrem Sohne ist alles nur ein bergang.
Er hatte den Einfall in der Lebensbeschreibung eines Gelehrten gelesen;
er hatte Geschmack daran gefunden und sogleich beschlossen, ihn bei
Gelegenheit als den seinen anzubringen.  Bald aber ward die Grille von
einer andern verjagt, so wie etwann, so wie etwann--Schade, da ich
kein Gleichnis dazu finden kann!  Kurz, sie ward verjagt.  Er wollte
nunmehr heiraten, und zwar einen rechten Teufel von einer Frau.

Chrysander.  Wenn doch den Einfall mehr Narren haben wollten, damit
andre ehrliche Mnner mit bsen Weibern verschont blieben.

Anton.  Ja, meinte er: es wrde doch hbsch klingen, wenn es einmal
von ihm heien knnte: unter die Zahl der Gelehrten, welche der Himmel
mit bsen Weibern gestraft hat, gehret auch der berhmte Damis;
gleichwohl kann sich die gelehrte Welt nicht ber ihn beklagen, da
ihn dieses Hauskreuz nur im geringsten abgehalten htte, ihr mit
unzhlbaren gelehrten Schriften zu dienen.

Chrysander.  Mit Schriften! ja, die mir am teuersten zu stehen kommen.
Was fr Rechnungen habe ich nicht schon an die Buchdrucker bezahlen
mssen!  Der Bsewicht!

Anton.  Geduld! er hat auch erst angefangen zu schreiben!  Es wird
schon besser kommen.

Chrysander.  Besser? vielleicht damit man ihn endlich einmal auch
unter die zhlen kann, die ihren Vater arm geschrieben haben!

Anton.  Warum nicht? wenn es ihm Ehre brchte--

Chrysander.  Die verdammte Ehre!

Anton.  Um die tut ein junger Gelehrter alles!  Wann es auch nach
seinem Tode heien sollte: unter diejenigen Gelehrten, die zum Teufel
gefahren sind, gehrt auch der berhmte Damis! was schadet das?  Genug,
er heit gelehrt; er heit berhmt--

Chrysander.  Kerl, du erschreckst mich!  Aber du, der du weit lter
bist als er, kannst du ihn nicht dann und wann zurechte weisen?--

Anton.  Oh, Herr Chrysander!  Sie wissen wohl, da ich keinen Gehalt
als Hofmeister bekomme.  Und dazu meine Dummheit--

Chrysander.  Ja, die du annimmst, um ihn desto dmmer zu machen.

Anton (beiseite).  St! der kennt mich.--Aber glauben Sie, da ihm mit
der bsen Frau ein Ernst war?  Nichts weniger!  Eine Stunde darauf
wollte er sich eine gelehrte Frau aussuchen.

Chrysander.  Nun, das wre doch noch etwas Kluges!

Anton.  Etwas Kluges?  Nach meiner unvorgreiflichen Meinung ist es
gleich der dmmste Einfall, den er hat haben knnen.  Eine gelehrte
Frau! bedenken Sie doch! eine gelehrte Frau; eine Frau wie Ihr Herr
Sohn!  Zittern und Entsetzen mchte einem ehrlichen Kerl ankommen.
Wahrhaftig! ehe ich mir eine Gelehrte aufhngen lie'--

Chrysander.  Narre, Narre! sie gehen unter andern Leuten, als du bist,
reiend weg. Wann ihrer nur viel wren, wer wei, ob ich mir nicht
selbst eine whlte.

Anton.  Kennen Sie Karlinen?

Chrysander.  Karlinen?  Nein.

Anton.  Meinen ehemaligen Kameraden? meinen guten Freund? kennen Sie
den nicht?

Chrysander.  Nein doch, nein.

Anton.  Er trug ein hechtgraues Kleid mit roten Aufschlgen und auf
seiner Sonntagsmontur rote und blaue Achselbnder.  Sie mssen ihn bei
mir gesehen haben.  Er hatte eine etwas lange Nase.  Sie war ein
Erbstck; denn er wollte aus der Geschichte wissen, da schon sein
Ururltervater, der ehedem einem gewissen Turnier als Stallknecht
beigewohnt, eine ebenso lange gehabt habe.  Sein einziger Fehler war,
da er etwas krumme Beine hatte.  Besinnen Sie sich nun?

Chrysander.  Soll ich denn alle das Lumpengesindel kennen, das du
kennst?  Und was willst du denn mit ihm?

Anton.  Sie kennen ihn also im Ernste nicht?  Oh! da kennen Sie einen
sehr groen Geist weniger.  Ich will Sie zu seiner Bekanntschaft
verhelfen; ich gelte etwas bei ihm.

Chrysander.  Ich glaube, du schwrmst manchmal so gut als mein Sohn.
Wie kmmst du denn auf die Possen?

Anton.  Eben der Karlin, will ich sagen--Oh! es ist rgerlich, da Sie
ihn nicht kennen.--Eben der Karlin, sage ich, hat einmal bei einem
Herrn gedient, der eine gelehrte Frau hatte.  Der verzweifelte
Vogel--er sah gut aus, und wie nun der Appetit sich nach dem Stande
nicht richtet--kurz, er mute sie nher gekannt haben.  Wo htte er
sonst so viel Verstand her?  Endlich merkte es auch sein Herr, da er
bei der Frau in die Schule ging.  Er bekam seinen Abschied, ehe er
sich's versah.  Die arme Frau!

Chrysander.  Ach schweig! ich mag weder deine noch meines Sohnes
Grillen lnger mit anhren.

Anton.  Noch eine hren Sie; und zwar die, welche zuletzt seine
Leibgrille ward: er wollte mehr als eine Frau heiraten.

Chrysander.  Aber eine nach der andern.

Anton.  Nein, wenigstens ein halb Dutzend auf einmal.  Der Bibel, der
Obrigkeit und dem Gebrauche zum Trutze!  Er las damals gleich ein
Buch--

Chrysander.  Die verdammten Bcher!  Kurz, ich will nicht weiter hren.
Es soll ihm schon vergehen, mehr als eine zu nehmen, wenn er nur
erst die genommen hat, die ich jetzt fr ihn im Kopfe habe.  Und was
meinest du wohl, Anton? quid putas? wie wir Lateiner reden; wird er's
tun?

Anton.  Vielleicht; vielleicht nicht.  Wenn ich wte, was er fr ein
Buch zuletzt gelesen htte, und wenn ich dieses Buch selbst lesen
knnte, und wenn--

Chrysander.  Ich sehe schon, ich werde deine Hilfe ntig haben.  Du
bist zwar ein Gauner, aber ich wei auch, man kmmt jetzt mit
Betrgern weiter als mit ehrlichen Leuten.

Anton.  Ei, Herr Chrysander, fr was halten Sie mich?

Chrysander.  Ohne Komplimente, Herr Anton! ich verspreche dir eine
Belohnung, die deinen Verdiensten gem sein soll, wenn du meinen Sohn
quovis modo, wie wir Lateiner reden, durch Wahrheiten oder durch Lgen,
durch Ernst oder durch Schraubereien, vel sic vel aliter, wie wir
Lateiner reden, Julianen zu heiraten bereden kannst.

Anton.  Wen?  Julianen?

Chrysander.  Julianen; illam ipsam.

Anton.  Unsere Mamsell Juliane?  Ihr Mndel?  Ihre Pflegetochter?

Chrysander.  Kennst du eine andre?

Anton.  Das ist unmglich, oder das, was ich von ihr gehrt habe, mu
nicht wahr sein.

Chrysander.  Gehrt? so? hast du etwas von ihr gehrt? doch wohl
nichts Bses.

Anton.  Nichts Gutes war es freilich nicht.

Chrysander.  Ei! ich habe auf das Mdchen so groe Stcken gehalten.
Sie wird doch nicht etwa mit einem jungen Kerl--he?

Anton.  Wann es nichts mehr wre! so ein klein Fehlerchen entschuldigt
die Mode.  Aber, es ist noch etwas weit rgers fr eine gute Jungfer,
die gerne nicht lnger Jungfer sein mchte.

Chrysander.  Noch etwas weit rgers? ich versteh dich nicht.

Anton.  Und Sie sind gleichwohl ein Kaufmann?

Chrysander.  Noch etwas weit rgers?  Ich habe immer geglaubt,
Eingezogenheit und gute Sitten wren das Vornehmste--

Anton.  Nicht mehr! nicht mehr! vor zwanzig Jahren wohl, wie Sie
vorher selbst weislich erinnerten.

Chrysander.  Nun so erklre dich deutlicher.  Ich habe nicht Lust,
deine nrrischen Gedanken zu erraten.

Anton.  Und nichts ist doch leichter.  Mit einem Worte: sie soll kein
Geld haben.  Man hat mir gesagt, in Ansehung ihres Vaters, der Ihr
guter Freund gewesen wre, htten Sie Julianen, von ihrem neunten
Jahre an, zu sich genommen und aus Barmherzigkeit erzogen.

Chrysander.  Da hat man dir nun wohl keine Lgen gesagt; gleichwohl
aber soll sie doch kein andrer haben als mein Sohn, wann nur er--Denn
sieh, Anton, ich mu dir das ganze Rtsel erklren.--Es liegt nur an
mir, Julianen in kurzer Zeit reich zu machen.

Anton.  Ja, durch Ihr eigen Geld; und auf diese Art knnten Sie auch
mich wohl reich machen.  Wollen Sie so gut sein?

Chrysander.  Nein, nicht durch mein eigen Geld.--Kannst du schweigen?

Anton.  Versuchen Sie es.

Chrysander.  Hre also; mit Julianens Vermgen steht es so: ihr Vater
kam durch einen Proze, den er endlich doch mute liegenlassen, kurz
vor seinem Tode um alle das Seine.  Jetzt nun ist mir ein gewisses
Dokument in die Hnde gefallen, das er lange vergebens suchte und das
dem ganzen Handel ein ander Ansehen gibt.  Es kmmt nur darauf an, da
ich so viel Geld hergebe, den Proze wieder anzufangen.  Das Dokument
selbst habe ich bereits an meinen Advokaten nach Dresden geschickt.--

Anton.  Gott sei Dank! da Sie wieder zum Kaufmanne werden!  Vorhin
htte ich bald nicht gewut, was ich aus Ihnen machen sollte.--Aber
Julianens Einwilligung haben Sie doch schon?

Chrysander.  Oh! das gute Kind will mir, wie es spricht, in allem
gehorchen.  Unterdessen hat sich doch schon Valer auf sie gespitzt.
Er hat mir vor einiger Zeit auch seine Gedanken deshalb erffnet.  Ehe
ich das Dokument bekam--

Anton.  Ja, da war uns an Julianen so viel nicht gelegen.  Sie machten
ihm also Hoffnung?

Chrysander.  Freilich!  Er ist heute von Berlin wieder zurckgekommen
und hat sich auch schon bei mir melden lassen.  Ich besorge, ich
besorge--Doch wenn mein Sohn nur will--Und diesen, Anton, du
verstehest mich--Ein Narr ist auf viel Seiten zu fassen; und ein Mann
wie du kann auf viel Seiten fassen.--Du wirst sehen, da ich
erkenntlich bin.

Anton.  Und Sie, da ich ganz zu Ihren Diensten bin, zumal wenn mich
die Erkenntlichkeit zuerst herausfordert und--




Siebenter Auftritt

Anton.  Chrysander.  Juliane.


Juliane.  Kommen Sie doch, Herr Chrysander, kommen Sie doch hurtig
herunter.  Herr Valer ist schon da, Ihnen seine Aufwartung zu machen.

Chrysander.  Tut Sie doch ganz frhlich, mein Jungferchen!

Anton (sachte zu Chrysandern).  Hui! da Valer schon den Vogel
gefangen hat.

Chrysander.  Das wre mir gelegen.


(Anton und Chrysander gehen ab.)




Achter Auftritt

Juliane.  Lisette.


Lisette (guckt aus dem Kabinett).  Bst! bst! bst!

Juliane.  Nun, wem gilt das?  Lisette? bist du's?  Was machst du denn
hier?

Lisette.  Ja, das werden Sie wohl nimmermehr glauben, da ich und
Damis schon so weit miteinander gekommen sind, da er mich verstecken
mu.  Schon kann ich ihn um einen Finger wickeln!  Noch eine
Unterredung wie vorhin, so habe ich ihn im Sacke.

Juliane.  Und also htte ich wohl, in allem Scherze, einen recht guten
Einfall gehabt?  Wollte doch der Himmel, da die Verbindung, die sein
Vater zwischen uns--

Lisette.  Ach, sein Vater! der Schalk, der Geizhals!  Jetzt habe ich
ihn kennenlernen.

Juliane.  Was gibst du ihm fr Titel?  Seine Gtigkeit ist nur gar zu
gro.  Seine Wohltaten vollkommen zu machen, trgt er mir die Hand
seines Sohnes und mit ihr sein ganzes Vermgen an.  Aber wie
unglcklich bin ich dabei!--Dankbarkeit und Liebe, Liebe gegen den
Valer, und Dankbarkeit--

Lisette.  Noch vor einer Minute, war ich in ebendem Irrtume.  Aber
glauben Sie mir nur, ich wei es nunmehr aus seinem Munde: nicht aus
Freundschaft fr Sie, sondern aus Freundschaft fr Ihr Vermgen will
er diese Verbindung treffen.

Juliane.  Fr mein Vermgen? du schwrmst.  Was habe ich denn, das ich
nicht von ihm htte?

Lisette.  Kommen Sie, kommen Sie.  Hier ist der Ort nicht, viel zu
schwatzen.  Ich will Ihnen alles erzhlen, was ich gehrt habe.




Zweiter Aufzug




Erster Auftritt

Lisette.  Valer.  Juliane.


Lisette (noch innerhalb der Szene).  Nur hier herein; Herr Damis ist
ausgegangen.  Sie knnen hier schon ein Wrtchen miteinander im
Vertrauen reden.

Juliane.  Ja, Valer, mein Entschlu ist gefat.  Ich bin ihm zu viel
schuldig; er hat durch seine Wohltaten das grte Recht ber mich
erhalten.  Es koste mir, was es wolle; ich mu die Heirat eingehen,
weil es Chrysander verlangt.  Oder soll ich etwa die Dankbarkeit der
Liebe aufopfern?  Sie sind selbst tugendhaft, Valer, und Ihr Umgang
hat mich edler denken gelehrt.  Mich Ihrer wert zu zeigen, mu ich
meine Pflicht, auch mit dem Verluste meines Glckes, erfllen.

Lisette.  Eine wunderbare Moral! wahrhaftig!

Valer.  Aber wo bleiben Versprechung, Schwur, Treue?  Ist es erlaubt,
um eine eingebildete Pflicht zu erfllen, einer andern, die uns
wirklich verbindet, entgegen zu handeln?

Juliane.  Ach, Valer, Sie wissen es besser, was zu solchen
Versprechungen gehrt.  Mibrauchen Sie meine Schwche nicht.  Die
Einwilligung meines Vaters war nicht dabei.

Valer.  Was fr eines Vaters?--

Juliane.  Desjenigen, dem ich fr seine Wohltaten diese Benennung
schuldig bin.  Oder halten Sie es fr keine Wohltaten, der Armut und
allen ihren unseligen Folgen entrissen zu werden?  Ach, Valer, ich
wrde Ihr Herz nicht besitzen, htte nicht Chrysanders Sorgfalt mich
zur Tugend und Anstndigkeit bilden lassen.

Valer.  Wohltaten hren auf, Wohltaten zu sein, wenn man sucht, sich
fr sie bezahlt zu machen.  Und was tut Chrysander anders, da er Sie,
allzu gewissenhafte Juliane, nur deswegen mit seinem Sohne verbinden
will, weil er ein Mittel sieht, Ihnen wieder zu dem grten Teile
Ihres vterlichen Vermgens zu verhelfen?

Juliane.  Fuen Sie doch auf eine so wunderbare Nachricht nicht.  Wer
wei, was Lisette gehrt hat?

Lisette.  Nichts, als was sich vollkommen mit seiner brigen
Auffhrung reimt.  Ein Mann, der seine Wohltaten schon ausposaunet,
der sie einem jeden auf den Fingern vorzurechnen wei, sucht etwas
mehr als das bloe Gotteslohn.  Und wre es etwa die erste Trne, die
Ihnen aus Verdru, von einem so eigenntzig freigebigen Manne
abzuhngen, entfahren ist?

Valer.  Lisette hat recht!--Aber ich empfinde es leider; Juliane liebt
mich nicht mehr.

Juliane.  Sie liebt Sie nicht mehr?  Dieser Verdacht fehlte noch,
ihren Kummer vollkommen zu machen.  Wann Sie wten, wieviel es ihr,
gegen die Ratschlge der Liebe taub zu sein, koste; wann Sie wten,
Valer--ach, die mitrauischen Mannspersonen!

Valer.  Legen Sie die Furcht eines Liebhabers, dessen ganzes Glck auf
dem Spiele steht, nicht falsch aus.  Sie lieben mich also noch? und
wollen sich einem andern berlassen?

Juliane.  Ich will?  Knnten Sie mich empfindlicher martern?  Ich
will?--Sagen Sie: ich mu.

Valer.  Sie mssen?--Noch ist nie ein Herz gezwungen worden als
dasjenige, dem es lieb ist, den Zwang zu seiner Entschuldigung machen
zu knnen--

Juliane.  Ihre Vorwrfe sind so fein, so fein! da ich Sie vor Verdru
verlassen werde.

Valer.  Bleiben Sie, Juliane; und sagen Sie mir wenigstens, was ich
dabei tun soll?

Juliane.  Was ich tue; dem Schicksale nachgeben.

Valer.  Ach, lassen Sie das unschuldige Schicksal aus dem Spiele!

Juliane.  Das unschuldige? und ich werde also wohl die Schuldige sein?
Halten Sie mich nicht lnger--

Lisette.  Wann ich mich nun nicht bald dazwischenlege, so werden sie
sich vor lauter Liebe zanken.--Was Sie tun sollen, Herr Valer? eine
groe Frage!  Himmel und Hlle rege machen, damit die gute Jungfer
nicht mu!  Den Vater auf andre Gedanken bringen; den Sohn auf Ihre
Seite ziehen.--Mit dem Sohne zwar hat es gute Wege; den berlassen Sie
nur mir.  Der gute Damis!  Ich bin ohne Zweifel das erste Mdchen, das
ihm schmeichelt, und hoffe dadurch auch das erste zu werden, das von
ihm geschmeichelt wird.  Wahrhaftig; er ist so eitel, und ich bin so
geschickt, da ich mich wohl noch zu seiner Frau an ihm loben wollte,
wenn der verzweifelte Vater nicht wre!--Sehen Sie, Herr Valer, der
Einfall ist von Mamsell Julianen!  Erfinden Sie nun eine Schlinge fr
den Vater--

Juliane.  Was sagst du, Lisette? von mir?  O Valer, glauben Sie solch
rasendes Zeug nicht!  Habe ich dir etwas anders befohlen, als ihm
einen schlechten Begriff von mir beizubringen?

Lisette.  Ja, recht; einen schlechten von Ihnen--und wenn es mglich
wre, einen desto bessern von mir.

Juliane.  Nein, es ist mit euch nicht auszuhalten--

Valer.  Erklren Sie wenigstens, liebste Juliane--

Juliane.  Erklren? und was?  Vielleicht, da ich Ihnen in die Arme
rennen will und wann ich auch alle Tugenden beleidigen sollte? da ich
mich mit einer Begierde, mit einem Eifer die Ihrige zu werden bemhen
will, die mich in Ihren Augen notwendig einmal verchtlich machen
mssen?  Nein, Valer--

Lisette.  Hren Sie denn nicht, da sie uns gern freie Hand lassen
will?  Sie macht es wie die schne Aspasia--oder wie hie die
Prinzessin in dem dicken Romane?  Zwei Ritter machten auf sie Anspruch.
Schlagt euch miteinander, sagte die schne Aspasia; wer den andern
berwindet, soll mich haben.  Gleichwohl aber war sie dem Ritter in
der blauen Rstung gnstiger als dem andern--

Juliane.  Ach, die Nrrin, mit ihrem blauen Ritter--(Reit sich los
und geht ab.)




Zweiter Auftritt

Lisette.  Valer.


Lisette.  Ha! ha! ha!

Valer.  Mir ist nicht lcherlich, Lisette.

Lisette.  Nicht?  Ha! ha! ha!

Valer.  Ich glaube, du lachst mich aus.

Lisette.  Oh, so lachen Sie mit!  Oder ich mu noch einmal darber
lachen, da Sie nicht lachen wollen.  Ha! ha! ha!

Valer.  Ich mchte verzweifeln!  In der Ungewiheit, ob sie mich noch
liebt--

Lisette.  Ungewiheit?  Sind denn alle Mannspersonen so schwer zu
berreden?  Werden sie denn alle zu solchen ngstlichen Zweiflern,
sobald sie die Liebe ein wenig erhitzt?  Lassen Sie Ihre Grillen
fahren, Herr Valer, oder ich lache aufs neue.  Spannen Sie vielmehr
Ihren Verstand an, etwas auszusinnen, um den alten Chrysander--

Valer.  Chrysander traut mir nicht und kann mir nicht trauen.  Er
kennt meine Neigung zu Julianen.  Alle mein Zureden wrde umsonst sein;
er wrde den Eigennutz, die Quelle davon, gar bald entdecken.  Und
wenn ich auch eine vllige Anwerbung tun wollte; was wrde es helfen?
Er ist deutsch genug, mir gerade ins Gesicht zu sagen, da ich seinem
Sohne hier nachstehen msse, welcher wegen der Wohltaten des Vaters
das grte Recht auf Julianen habe.--Was soll ich also anfangen?

Lisette.  Mit den wunderlichen Leuten, die nur berall den ebenen Weg
gehen wollen!  Hren Sie, was mir eingefallen ist.  Das Dokument, oder
wie der Quark heit, ist das einzige, was Chrysandern zu dieser Heirat
Lust macht, so da er es schon an seinen Advokaten geschickt hat.  Wie
wenn man von diesem Advokaten einen Brief unterschieben knnte, in
welchem--in welchem--

Valer.  In welchem er ihm die Gltigkeit des Dokuments verdchtig
macht; willst du sagen?  Der Einfall ist so unrecht nicht!  Aber--wenn
ihm nun einmal der Advokate ganz das Gegenteil schreibt, so ist ja
unser Betrug am Tage.

Lisette.  Was fr ein Einwurf!  Freilich mssen Sie ihn stimmen.  Es
ist von jeher gebruchlich gewesen, da es sich ein Liebhaber etwas
mu kosten lassen.

Valer.  Wenn nun aber der Advokat ehrlich ist?

Lisette.  Tun Sie doch, als ob Sie seit vier Wochen erst in der Welt
wren.  Wie die Geschenke so ist der Advokat.  Kommen gar keine, so
ist der niedertrchtigste Betrger der redlichste Mann.  Kommen welche,
aber nur kleine, so hlt das Gewissen noch so ziemlich das
Gleichgewicht.  Es steigen alsdenn wohl Versuchungen bei ihm auf;
allein die kleinste Betrachtung schlgt sie wieder nieder.  Kommen
aber nur recht ansehnliche, so ist gar bald der ehrlichste Advokat
nicht mehr der ehrlichste.  Er legt die Ehrlichkeit mit den
geschenkten Goldstcken in den Schatz, wo jene eher zu rosten anfngt
als diese.  Ich kenne die Herren!

Valer.  Dein Urteil ist zu allgemein.  Nicht alle Personen von
einerlei Stande sind auf einerlei Art gesinnet.  Ich kenne
verschiedene alte rechtschaffene Sachwalter--

Lisette.  Was wollen Sie mit Ihren alten?  Es ist eben, als wenn Sie
sagten, die groen runden Aufschlge, die kleinen spitzen Knpfe, die
erschrecklichen Halskrausen, aus welchen man Schiffssegel machen
knnte, die viereckigten breiten Schuhe, die tiefen Taschen, kurz, die
ganze Tracht, wie sich etwa Ihre Paten an Ehrentagen mgen
ausstaffiert haben, wren noch jetzt Mode, weil man noch manchmal hier
und da einige gebckte zitternde Mnnerchen ber die Gassen so
schleichen sieht.  Lassen Sie nur noch die und Ihr paar alte
rechtschaffene Advokaten sterben; die Mode und die Redlichkeit werden
einen Weg nehmen.

Valer.  Man hrt doch gleich, wenn das Frauenzimmer am beredtesten ist!

Lisette.  Sie meinen etwa, wenn es ans Lstern geht?  O wahrhaftig!
des bloen Lsterns wegen habe ich so viel nicht geplaudert.  Meine
vornehmste Absicht war, Ihnen beizubringen, wieviel berall das Geld
tun knne und was fr ein vortreffliches Spiel ein Liebhaber in den
Hnden hat, wenn er gegen alle freigebig ist, gegen die Gebieterin,
gegen den Advokaten und--Dero Dienerin.  (Sie macht eine Verbeugung.)

Valer.  Verla dich auf meine Erkenntlichkeit.  Ich verspreche dir
eine recht ansehnliche Ausstattung, wenn wir glcklich sind--

Lisette.  Ei, wie fein!  Eine Ausstattung?  Sie hoffen doch wohl nicht,
da ich brigbleiben werde?

Valer.  Wann du das befrchtest, so verspreche ich dir den Mann darzu.
--Doch komm nur; Juliane wird ohne Zweifel auf uns warten.  Wir wollen
gemeinschaftlich unsre Sachen weiter berlegen.

Lisette.  Gehen Sie nur voran; ich mu noch hier verziehen, um meinem
jungen Gelehrten--

Valer.  Er wird vielleicht schon unten bei dem Vater sein.

Lisette.  Wir mssen uns alleine sprechen.  Gehen Sie nur!  Sie haben
ihn doch wohl noch nicht gesprochen?

Valer.  Was wollte ich nicht darum geben, wenn ich es ganz und gar
berhoben sein knnte!  Seinetwegen wrde ich dieses Haus fliehen,
rger als ein Tollhaus, wenn nicht ein angenehmerer Gegenstand--

Lisette.  So gehen Sie doch, und lassen Sie den angenehmern Gegenstand
nicht lnger auf sich warten.

(Valer geht ab.)




Dritter Auftritt

Anton.  Lisette.


Anton.  Nu? was will die! in meines Herrn Studierstube?  Jetzt ging
Valer heraus; vor einer Weile Juliane; und du bist noch da?  Ich
glaube gar, ihr habt eure Zusammenknfte hier.  Warte, Lisette! das
will ich meinem Herrn sagen.  Ich will mich schon rchen; noch fr das
Gestrige; besinnst du dich?

Lisette.  Ich glaube, du keifst?  Was willst du mit deinem Gestrigen?

Anton.  Eine Maulschelle vergit sich wohl bei dem leicht, der sie
gibt, aber der, dem die Zhne davon gewackelt haben, der denkt eine
Zeitlang daran.  Warte nur! warte!

Lisette.  Wer heit dich, mich kssen?

Anton.  Potz Stern, wie gemein wrden die Maulschellen sein; wenn alle
die welche bekommen sollten, die euch kssen wollen.--Jetzt soll dich
mein Herr dafr wacker--

Lisette.  Dein Herr? der wird mir nicht viel tun.

Anton.  Nicht?  Wievielmal hat er es nicht gesagt, da so ein heiliger
Ort, als eine Studierstube ist, von euch unreinen Geschpfen nicht
msse entheiliget werden?  Der Gott der Gelehrsamkeit--warte, wie
nennt er ihn?--Apollo--knne kein Weibsbild leiden.  Schon der Geruch
davon wre ihm zuwider.  Er fliehe davor wie der Ster vor den Tauben.
--Und du denkst, mein Herr wrde es so mit ansehen, da du ihm den
lieben Gott von der Stube treibest?

Lisette.  Ich glaube gar, du Narre denkst, der liebe Gott sei nur bei
euch Mannspersonen?  Schweig, oder--

Anton.  Ja, so eine wie gestern vielleicht?

Lisette.  Noch eine bere! der Pinsel htte gestern mehr als eine
verdient.  Er kmmt zu mir; es ist finster; er will mich kssen; ich
stoe ihn zurck, er kmmt wieder; ich schlage ihn aufs Maul, es tut
ihm weh; er lt nach; er schimpft; er geht fort--Ich mchte dir
gleich noch eine geben, wenn ich daran gedenke.

Anton.  Ich htte es also wohl abwarten sollen, wie oft du deine
Karesse httest wiederholen wollen?

Lisette.  Gesetzt, es wren noch einige gefolgt, so wrden sie doch
immer schwcher und schwcher geworden sein.  Vielleicht htten sich
die letztern gar--doch so ein dummer Teufel verdient nichts.

Anton.  Was hr ich? ist das dein Ernst, Lisette?  Bald htte ich Lust,
die Maulschelle zu vergessen und mich wieder mit dir zu vertragen.

Lisette.  Halte es, wie du willst.  Was ist mir jetzt an deiner Gunst
gelegen?  Ich habe ganz ein ander Wildbret auf der Spur.

Anton.  Ein anders? au weh, Lisette!  Das war wieder eine Ohrfeige,
die ich so bald nicht vergessen werde!  Ein anders?  Ich dchte, du
httest an einem genug, das dir selbst ins Netz gelaufen ist.

Lisette.  Und drum eben ist nichts dran.--Aber sage mir, wo bleibt
dein Herr?

Anton.  Danke du Gott, da er so lange bleibt; und mache, da du hier
fortkmmst.  Wann er dich trifft, so bist du in Gefahr,
herausgeprgelt zu werden.

Lisette.  Dafr la mich sorgen!  Wo ist er denn? ist er von der Post
noch nicht wieder zurck?

Anton.  Woher weit du denn, da er auf die Post gegangen ist?

Lisette.  Genug, ich wei es.  Er wollte dich erst schicken.  Aber wie
kam es denn, da er selbst ging?  Ha! ha! ha!  "Es ist mit dem
Schlingel nichts anzufangen." Wahrhaftig, das Lob macht mich ganz
verliebt in dich.

Anton.  Wer Henker mu dir das gesagt haben?

Lisette.  O niemand; sage mir nur, ist er wieder da?

Anton.  Schon lngst; unten ist er bei seinem Vater.

Lisette.  Und was machen sie miteinander?

Anton.  Was sie machen? sie zanken sich.

Lisette.  Der Sohn will gewi den Vater von seiner Geschicklichkeit
berfhren?

Anton.  Ohne Zweifel mu es so etwas sein.  Damis ist ganz auer sich:
er lt den Alten kein Wort aufbringen: er rechnet ihm tausend Bcher
her, die er gesehen; tausend, die er gelesen hat; andere tausend, die
er schreiben will, und hundert kleine Bcherchen, die er schon
geschrieben hat.  Bald nennt er ein Dutzend Professores, die ihm sein
Lob schriftlich, mit untergedrucktem Siegel, nicht umsonst, gegeben
htten; bald ein Dutzend Zeitungsschreiber, die eine vortreffliche
Posaune fr einen jungen Gelehrten sind, wenn man ein silbernes
Mundstck darauf steckt; bald ein Dutzend Journalisten, die ihn alle
zu ihrem Mitarbeiter flehentlich erbeten haben.  Der Vater sieht ganz
erstaunt; er ist um die Gesundheit seines Sohnes besorgt; er ruft
einmal ber das andre: Sohn, erhitze dich doch nicht so! schone deine
Lunge! ja doch, ich glaub es! gib dich zufrieden! es war so nicht
gemeint!

Lisette.  Und Damis?--

Anton.  Und Damis lt nicht nach.  Endlich greift sich der Vater an;
er berschreit ihn mit Gewalt und besnftiget ihn mit einer Menge
solcher Lobsprche, die in der Welt niemand verdient hat, verdient,
noch verdienen wird.  Nun wird der Sohn wieder vernnftig, und nun--ja
nun schreiten sie zu einem andern Punkte, zu einer andern Sache,--zu--

Lisette.  Wozu denn?

Anton.  Gott sei Dank, mein Maul kann schweigen!

Lisette.  Du willst mir es nicht sagen?

Anton.  Nimmermehr! ich bin zwar sonst ein schlechter Kerl; aber wenn
es auf die Verschwiegenheit ankmmt--

Lisette.  Lerne ich dich so kennen?

Anton.  Ich dchte, das sollte dir lieb sein, da ich schweigen kann;
und besonders von Heiratssachen oder was dem anhngig ist--

Lisette.  Weit du nichts mehr?  O das habe ich lngst gewut.

Anton.  Wie schn sie mich ber den Tlpel stoen will.  Also wre es
ja nicht ntig, da ich dir es sagte?--

Lisette.  Freilich nicht! aber mich fr dein schelmisches Mitrauen zu
rchen, wei ich schon, was ich tun will.  Du sollst es gewi nicht
mehr wagen, gegen ein Mdchen von meiner Profession verschwiegen zu
sein!  Besinnst du dich, wie du von deinem Herrn vor kurzem gesprochen
hast?

Anton.  Besinnen? ein Mann, der in Geschften sitzt, der einen Tag
lang so viel zu reden hat wie ich, soll sich der auf allen Bettel
besinnen?

Lisette.  Seinen Herrn verleumden, ist etwas mehr, sollte ich meinen.

Anton.  Was? verleumden?

Lisette.  Ha, ha!  Herr Mann, der in Geschften sitzt, besinnen Sie
sich nun?  Was haben Sie vorhin gegen seinen Vater von ihm geredt?

Anton.  Das Mdel mu den Teufel haben, oder der verzweifelten Alte
hat geplaudert.  Aber hre, Lisette, weit du es gewi, was ich gesagt
habe?  Was war es denn?  La einmal hren.

Lisette.  Du sollst alles hren, wenn ich es deinem Herrn erzhlen
werde.

Anton.  O wahrhaftig, ich glaube, du machst Ernst daraus.  Du wirst
mir doch meinen Kredit bei meinem Herrn nicht verderben wollen?  Wenn
du wirklich etwas weit, so sei keine Nrrin!--Da ihr Weibsvolk doch
niemals Spa versteht!  Ich habe dir eine Ohrfeige vergeben, und du
willst dich, einer kleinen Neckerei wegen, rchen?  Ich will dir ja
alles sagen.

Lisette.  Nun so sage--

Anton.  Aber du sagst doch nichts?--

Lisette.  Je mehr du sagen wirst, je weniger werde ich sagen.

Anton.  Was wird es sonst viel sein, als da der Vater dem Sohne
nochmals die Heirat mit Julianen vorschlug?  Damis schien ganz
aufmerksam zu sein, und--weiter kann ich dir nichts sagen.

Lisette.  Weiter nichts?  Gut, gut, dein Herr soll alles erfahren.

Anton.  Um des Himmels willen, Lisette; ich will dir es nur gestehn.

Lisette.  Nun so gesteh!

Anton.  Ich will dir es nur gestehen, da ich wahrhaftig nichts mehr
gehrt habe.  Ich wurde eben weggeschickt.  Nun weit du wohl, wenn
man nicht zugegen ist, so kann man nicht viel hren--

Lisette.  Das versteht sich.  Aber was meinst du, wird Damis sich dazu
entschlossen haben?

Anton.  Wenn er sich noch nicht dazu entschlossen hat, so will ich
mein uerstes anwenden, da er es noch tut.  Ich soll fr meine Mhe
bezahlt werden, Lisette; und du weit wohl, wenn ich bezahlt werde,
da alsdenn auch du--

Lisette.  Ja, ja, auch ich verspreche dir's; du sollst redlich bezahlt
werden!--Unterstehe dich!--

Anton.  Wie?

Lisette.  Habe einmal das Herz!--

Anton.  Was?

Lisette.  Dummkopf! meine Jungfer will deinen Damis nicht haben--

Anton.  Was tut das?--

Lisette.  Folglich ist mein Wille, da er sie auch nicht bekommen soll.

Anton.  Folglich, wenn sie mein Herr wird haben wollen, so wird mein
Wille sein mssen, da er sie bekommen soll.

Lisette.  Hre doch! du willst mein Mann werden und einen Willen fr
dich haben?  Brschchen, das la dir nicht einkommen!  Dein Wille mu
mein Wille sein, oder--

Anton.  St! potz Element! er kmmt; hrst du? er kmmt!  Nun sieh ja,
wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.  Verstecke dich wenigstens;
verstecke dich!  Er bringt sonst mich und dich um.

Lisette (beiseite).  Halt, ich will beide betrgen!--Wo denn aber hin?
wohin? in das Kabinett?

Anton.  Ja, ja, nur unterdessen hinein.  Vielleicht geht er bald
wieder fort.--Und ich, ich will mich geschwind hieher setzen--(Er
setzt sich an den Tisch, nimmt ein Buch in die Hand und tut, als ob er
den Damis nicht gewahr wrde.)




Vierter Auftritt

Anton.  Damis.


Anton (vor sich).  Ja, die Gelehrten--wie glcklich sind die Leute
nicht!--Ist mein Vater nicht ein Esel gewesen, da er mich nicht auch
auf ihre Profession getan hat!  Zum Henker, was mu es fr eine Lust
sein, wenn man alles in der Welt wei, so wie mein Herr!--Potz Stern,
die Bcher alle zu verstehn!--Wenn man nur darunter sitzt, man mag
darin lesen oder nicht, so ist man schon ein ganz andrer Mensch!--Ich
fhl's, wahrhaftig ich fhl's, der Verstand duftet mir recht daraus
entgegen.--Gewi, er hat recht; ohne die Gelehrsamkeit ist man nichts
als eine Bestie.--Ich dumme Bestie!--(Beiseite.) Nun, wie lange wird
er mich noch schimpfen lassen?--Wir sind doch nrrisch gepaaret, ich
und mein Herr!--Er gibt dem Gelehrtesten und ich dem Ungelehrtesten
nichts nach.--Ich will auch noch heute anfangen zu lesen.--Wenn ich
ein Loch von achtzig Jahren in die Welt lebe, so kann ich schon noch
ein ganzer Kerl werden.--Nur frisch angefangen!  Da sind Bcher genug!
--Ich will mir das kleinste aussuchen; denn anfangs mu man sich nicht
bernehmen.--Ha! da finde ich ein allerliebstes Bchelchen.--In so
einem mu es sich mit Lust studieren lassen.--Nur frisch angefangen,
Anton!--Es wird doch gleichviel sein, ob hinten oder vorne?--Wahrhaftig,
es wre eine Schande fr meinen so erstaunlich, so erschrecklich, so
abscheulich gelehrten Herrn, wenn er lnger einen so dummen Bedienten
haben sollte--

Damis (indem er sich ihm vollends nhert).  Ja freilich wre es eine
Schande fr ihn.

Anton.  Hilf Himmel! mein Herr--

Damis.  Erschrick nur nicht!  Ich habe alles gehrt--

Anton.  Sie haben alles gehrt?--ich bitte tausendmal um Verzeihung,
wenn ich etwas Unrechtes gesprochen habe.--Ich war so eingenommen, so
eingenommen von der Schnheit der Gelehrsamkeit--verzeihen Sie mir
meinen dummen Streich--, da ich selbst noch gelehrt werden wollte.

Damis.  Schimpfe doch nicht selbst den klgsten Einfall, den du
zeitlebens gehabt hast.

Anton.  Vor zwanzig Jahren mchte er klug genug gewesen sein.

Damis.  Glaube mir, noch bist du zu den Wissenschaften nicht zu alt.
Wir knnen in unsrer Republik schon mehrere aufweisen, die sich
gleichfalls den Musen nicht eher in die Arme geworfen haben.

Anton.  Nicht in die Arme allein, ich will mich ihnen in den Scho
werfen.--Aber in welcher Stadt sind die Leute?

Damis.  In welcher Stadt?

Anton.  Ja; ich mu hin, sie kennenzulernen.  Sie mssen mir sagen,
wie sie es angefangen haben.--

Damis.  Was willst du mit der Stadt?

Anton.  Sie denken etwa, ich wei nicht, was eine Republik
ist?--Sachsen, zum Exempel--Und eine Republik hat ja mehr wie eine
Stadt? nicht?

Damis.  Was fr ein Idiote!  Ich rede von der Republik der Gelehrten.
Was geht uns Gelehrten Sachsen, was Deutschland, was Europa an?  Ein
Gelehrter, wie ich bin, ist fr die ganze Welt; er ist ein Kosmopolit:
er ist eine Sonne, die den ganzen Erdball erleuchten mu--

Anton.  Aber sie mu doch wo liegen, die Republik der Gelehrten.

Damis.  Wo liegen? dummer Teufel! die gelehrte Republik ist berall.

Anton.  berall? und also ist sie mit der Republik der Narren an
einem Orte?  Die, hat man mir gesagt, ist auch berall.

Damis.  Ja freilich sind die Narren und die Klugen, die Gelehrten und
die Ungelehrten berall untermengt, und zwar so, da die letztern
immer den grten Teil ausmachen.  Du kannst es an unserm Hause sehen.
Mit wieviel Toren und Unwissenden findest du mich nicht hier umgeben?
Einige davon wissen nichts, und wissen es, da sie nichts wissen.
Unter diese gehrst du.  Sie wollten aber doch gern etwas lernen, und
deswegen sind sie noch die ertrglichsten.  Andre wissen nichts und
wollen auch nichts wissen; sie halten sich bei ihrer Unwissenheit fr
glcklich; sie scheuen das Licht der Gelehrsamkeit--

Anton.  Das Eulengeschlecht!

Damis.  Noch andre aber wissen nichts und glauben doch etwas zu wissen;
sie haben nichts, gar nichts gelernt, und wollen doch den Schein
haben, als htten sie etwas gelernt.  Und diese sind die
allerunertrglichsten Narren, worunter, die Wahrheit zu bekennen, auch
mein Vater gehrt.

Anton.  Sie werden doch Ihren Vater, bedenken Sie doch, Ihren Vater,
nicht zu einem Erznarren machen?

Damis.  Lerne distinguieren!  Ich schimpfe meinen Vater nicht,
insofern er mein Vater ist, sondern insofern ich ihn als einen
betrachten kann, der den Schein der Gelehrsamkeit unverdienterweise an
sich reien will.  Insofern verdient er meinen Unwillen.  Ich habe es
ihm schon oft zu verstehen gegeben, wie rgerlich er mir ist, wenn er,
als ein Kaufmann, als ein Mann, der nichts mehr als gute und schlechte
Waren, gutes und falsches Geld kennen darf und hchstens das letzte
fr das erste wegzugeben wissen soll; wenn der, sage ich, mit seinen
Schulbrocken, bei welchen ich doch noch immer etwas erinnern mu, so
prahlen will.  In dieser Absicht ist er ein Narr, er mag mein Vater
sein, oder nicht.

Anton.  Schade! ewig schade! da ich das insofern und in Absicht nicht
als ein Junge gewut habe.  Mein Vater htte mir gewi nicht so viel
Prgel umsonst geben sollen.  Er htte sie alle richtig wiederbekommen;
nicht insofern als mein Vater, sondern insofern als einer, der mich
zuerst geschlagen htte.  Es lebe die Gelehrsamkeit!--

Damis.  Halt! ich besinne mich auf einen Grundsatz des natrlichen
Rechts, der diesem Gedanken vortrefflich zustatten kmmt.  Ich mu
doch den Hobbes nachsehen!--Geduld! daraus will ich gewi eine schne
Schrift machen!

Anton.  Um zu beweisen, da man seinen Vater wiederprgeln drfe?--

Damis.  Certo respectu allerdings.  Nur mu man sich wohl in acht
nehmen, da man, wenn man ihn schlgt, nicht den Vater, sondern den
Aggressor zu schlagen sich einbildet; denn sonst--

Anton.  Aggressor?  Was ist das fr ein Ding?

Damis.  So heit der, welcher ausschlgt--

Anton.  Ha, ha! nun versteh ich's.  Zum Exempel; Ihnen, mein Herr,
stiee wieder einmal eine kleine gelehrte Raserei zu, die sich meinem
Buckel durch eine Tracht Schlge empfindlich machte: so wren Sie--wie
heit es?--der Aggressor; und ich, ich wrde berechtiget sein, mich
ber den Aggressor zu erbarmen, und ihm--

Damis.  Kerl, du bist toll!--

Anton.  Sorgen Sie nicht; ich wollte meine Gedanken schon so zu
richten wissen, da der Herr unterdessen beiseite geschafft wrde--

Damis.  Nun wahrhaftig, das wre ein merkwrdiges Exempel, in was fr
verderbliche Irrtmer man verfallen kann, wenn man nicht wei, aus
welcher Disziplin diese oder jene Wahrheit zu entscheiden ist.  Die
Prgel, die ein Bedienter von seinem Herrn bekommt, gehren nicht in
das Recht der Natur, sondern in das brgerliche Recht.  Wenn sich ein
Bedienter vermietet, so vermietet er auch seinen Buckel mit.  Diesen
Grundsatz merke dir.

Anton.  Aus dem brgerlichen Rechte ist er?  O das mu ein garstiges
Recht sein.  Aber ich sehe es nun schon! die verzweifelte
Gelehrsamkeit, sie kann ebenso leicht zu Prgeln verhelfen als dafr
schtzen.  Was wollte ich nicht darum geben, wenn ich mich auf alle
ihre wchserne Nasen so gut verstnde als Sie--O Herr Damis, erbarmen
Sie sich meiner Dummheit!

Damis.  Nun wohl, wenn es dein Ernst ist, so greife das Werk an.  Es
erfreut mich, der Gelehrsamkeit durch mein Exempel einen Proselyten
gemacht zu haben.  Ich will dich redlich mit meinem Rate und meinen
Lehren untersttzen.  Bringst du es zu etwas, so verspreche ich dir,
dich in die gelehrte Welt selbst einzufhren und mit einem besondern
Werke dich ihr anzukndigen.  Vielleicht ergreife ich die Gelegenheit,
etwas de Eruditis sero ad literas admissis oder de Opsimathia oder
auch de studio senili zu schreiben, und so wirst du auf einmal berhmt.
--Doch la einmal sehen, ob ich mir von deiner Lehrbegierde viel zu
versprechen habe?  Welch Buch hattest du vorhin in Hnden?

Anton.  Es war ein ganz kleines--

Damis.  Welches denn?--

Anton.  Es war so allerliebst eingebunden, mit Golde auf dem Rcken
und auf dem Schnitte.  Wo legte ich's doch hin?  Da! da!

Damis.  Das hattest du? das?

Anton.  Ja, das!

Damis.  Das?

Anton.  Bin ich an das unrechte gekommen? weil es so hbsch klein war--

Damis.  Ich htte dir selbst kein beres vorschlagen knnen.

Anton.  Das dacht' ich wohl, da es ein schn Buch sein msse.  Wrde
es wohl sonst einen so schnen Rock haben?

Damis.  Es ist ein Buch, das seinesgleichen nicht hat.  Ich habe es
selbst geschrieben.  Siehst du?--Auctore Damide!

Anton.  Sie selbst?  Nu, nu, habe ich's doch immer gehrt, da man die
leiblichen Kinder besser in Kleidung hlt als die Stiefkinder.  Das
zeugt von der vterlichen Liebe.

Damis.  Ich habe mich in diesem Buche, so zu reden, selbst bertroffen.
Sooft ich es wieder lese, sooft lerne ich auch etwas Neues daraus.

Anton.  Aus Ihrem eignen Buche?

Damis.  Wundert dich das?--Ach verdammt! nun erinnere ich mich erst:
mein Gott, das arme Mdchen!  Sie wird doch nicht noch in dem
Kabinette stecken (Er geht darauf los.)

Anton.  Um Gottes willen, wo wollen Sie hin?

Damis.  Was fehlt dir? ins Kabinett.  Hast du Lisetten gesehen?

Anton.  Nun bin ich verloren!--Nein, Herr Damis, nein; so wahr ich
lebe, sie ist nicht drinne.

Damis.  Du hast sie also sehen herausgehen?  Ist sie schon lange fort?

Anton.  Ich habe sie, so wahr ich ehrlich bin, nicht sehen hereingehen.
Sie ist nicht drinne; glauben Sie mir nur, sie ist nicht drinne--




Fnfter Auftritt

Lisette.  Damis.  Anton.


Lisette.  Allerdings ist sie noch drinne--

Anton.  O das Rabenaas!

Damis.  So lange hat Sie sich hier versteckt gehalten?  Arme Lisette!
das war mein Wille gar nicht.  Sobald mein Vater aus der Stube gewesen
wre, htte Sie immer wieder herausgehen knnen.

Lisette.  Ich wute doch nicht, ob ich recht tte.  Ich wollte also
lieber warten, bis mich der, der mich versteckt hatte, selbst wieder
hervorkommen hie--

Anton.  Zum Henker, von was fr einem Verstecken reden die?  (Sachte
zu Lisetten.) So, du feines Tierchen? hat dich mein Herr selbst schon
einmal versteckt?  Nun wei ich doch, wie ich die gestrige Ohrfeige
auslegen soll.  Du Falsche!

Lisette.  Schweig; sage nicht ein Wort, da ich zuvor bei dir gewesen
bin, oder--du weit schon--

Damis.  Was schwatzt ihr denn beide da zusammen?  Darf ich es nicht
hren?

Lisette.  Es war nichts; ich sagte ihm blo, er solle heruntergehen,
da, wenn meine Jungfer nach mir fragte, er unterdessen sagen knnte,
ich sei ausgegangen.  Juliane ist mitrauisch; sie suchte mich doch
wohl hier, wenn sie mich brauchte.

Damis.  Das ist vernnftig.  Gleich, Anton, geh!

Anton.  Das verlangst du im Ernste, Lisette?

Lisette.  Freilich; fort, la uns allein.

Damis.  Wirst du bald gehen?

Anton.  Bedenken Sie doch selbst, Herr Damis; wann Sie nun ihr
Geplaudre werden berdrssig sein, und das wird gar bald geschehen,
wer soll sie Ihnen denn aus der Stube jagen helfen, wenn ich nicht
dabei bin?

Lisette.  Warte, ich will dein Lstermaul--

Damis.  La dich unbekmmert!  Wann sie mir beschwerlich fllt, wird
sie schon selbst so vernnftig sein und gehen.

Anton.  Aber betrachten Sie nur: ein Weibsbild in Ihrer Studierstube!
Was wird Ihr Gott sagen?  Er kann ja das Ungeziefer nicht leiden.

Lisette.  Endlich werde ich dich wohl zur Stube hinausschmeien mssen?

Anton.  Das wre mir gelegen.--Die verdammten Mdel! auch bei dem
Teufel knnen sie sich einschmeicheln.  (Geht ab.)




Sechster Auftritt

Lisette.  Damis


Damis.  Und wo blieben wir denn vorhin?

Lisette.  Wo blieben wir? bei dem, was ich allezeit am liebsten hre
und wovon ich allezeit am liebsten rede, bei Ihrem Lobe.  Wenn es nur
nicht eine so gar kitzliche Sache wre, einen ins Gesicht zu loben!
--Ich kann Ihnen unmglich die Marter antun.

Damis.  Aber ich beteure Ihr nochmals, Lisette: es ist mir nicht um
mein Lob zu tun!  Ich mchte nur gern hren, auf was fr verschiedene
Art verschiedene Personen einerlei Gegenstand betrachtet haben.

Lisette.  Jeder lobte dasjenige an Ihnen, was er an sich
Lobenswrdiges zu finden glaubte.  Zum Exempel, der kleine dicke Mann
mit der ernsthaften Miene, der so selten lacht, der aber, wenn er
einmal zu lachen anfngt, mit dem erschtterten Bauche den ganzen
Tisch ber den Haufen wirft--

Damis.  Und wer ist das?  Aus Ihrer Beschreibung, Lisette, kann ich es
nicht erraten--O es ist mit den Beschreibungen eine kitzliche Sache!
Es gehrt nicht wenig dazu, sie so einzurichten, da man, gleich bei
dem ersten Anblicke, das Beschriebene erkennen kann.  ber nichts
aber mu ich mehr lachen, als wenn ich bei diesem und jenem groen
Philosophen, wahrhaftig bei Mnnern, die schon einer ganzen Sekte
ihren Namen gegeben haben, fters Beschreibungen anstatt Erklrungen
antreffe.  Das macht, die guten Herren haben mehr Einbildungskraft als
Beurteilung.  Bei der Erklrung mu der Verstand in das Innere der
Dinge eindringen; bei der Beschreibung aber darf man blo auf die
uerlichen Merkmale, auf das--

Lisette.  Wir kommen von unsrer Sache, Herr Damis.  Ihr Lob--

Damis.  Jawohl; fahr Sie nur fort, Lisette.  Von wem wollte Sie vorhin
reden?

Lisette.  Je, sollten Sie denn den kleinen Mann nicht kennen?  Er
blset immer die Backen auf--

Damis.  Sie meint vielleicht den alten Ratsherrn?

Lisette.  Ganz recht, aber seinen Namen--

Damis.  Was liegt an dem?--

Lisette.  "Ja, Herr Chrysander", sagte also der Ratsherr, an dessen
Namen nichts gelegen ist, "Ihr Herr Sohn kann einmal der beste
Ratsherr von der Welt werden, wenn er sich nur darauf applizieren will."
Es gehrt ein aufgeweckter Geist dazu; den hat er: eine fixe Zunge;
die hat er: eine tiefe Einsicht in die Staatskunst; die hat er: eine
Geschicklichkeit, seine Gedanken zierlich auf das Papier zu bringen;
die hat er: eine verschlagne Aufmerksamkeit auf die geringsten
Bewegungen unruhiger Brger; die hat er: und wenn er sie nicht hat--o
die bung--die bung!  Ich wei ja, wie mir es anfangs ging.  Freilich
kann man die Geschicklichkeit zu einem so schweren Amte nicht gleich
mit auf die Welt bringen--

Damis.  Der Narr! es ist zwar wahr, da ich alle diese
Geschicklichkeiten besitze; allein mit der Hlfte derselben knnte ich
Geheimter Rat werden, und nicht blo--




Siebenter Auftritt

Anton.  Lisette.  Damis.


Damis.  Nun, was willst du schon wieder?

Anton.  Mamsell Juliane wei es nun, da Lisette ausgegangen ist.
Frchten Sie sich nur nicht; sie wird uns nicht berraschen--

Damis.  Wer hie dich denn wiederkommen?

Anton.  Sollte ich wohl meinen Herrn allein lassen?  Und dazu, es
berfiel mich auf einmal so eine Angst, so eine Bangigkeit; die Ohren
fingen mir an zu klingen und besonders das linke--Lisette!  Lisette!

Lisette.  Was willst du denn?

Anton (sachte zu Lisetten).  Was habt ihr denn beide allein gemacht?
Was gilt's, es ging auf meine Unkosten!

Lisette.  O pack dich--Ich wei nicht, was der Narre will.

Damis.  Fort, Anton! es ist die hchste Zeit; du mut wieder auf die
Post sehen.  Ich wei auch gar nicht, wo sie so lange bleibt.--Wird's
bald?

Anton.  Lisette, komm mit!

Damis.  Was soll denn Lisette mit?

Anton.  Und was soll sie denn bei Ihnen?

Damis.  Unwissender!

Anton.  Ja freilich ist es mein Unglck, da ich es nicht wei.
(Sachte zu Lisetten.) Rede nur wenigstens ein wenig laut, damit ich
hre, was unter euch vorgeht--Ich werde horchen--(Gehet ab.)




Achter Auftritt

Lisette.  Damis.


Lisette.  Lassen Sie uns ein wenig sachte reden.  Sie wissen wohl, man
ist vor dem Horcher nicht sicher.

Damis.  Jawohl; fahr Sie also nur sachte fort.

Lisette.  Sie kennen doch wohl des Herrn Chrysanders Beichtvater?

Damis.  Beichtvater? soll ich denn alle solche Handwerksgelehrte
kennen?

Lisette.  Wenigstens schien er Sie sehr wohl zu kennen.  "Ein guter
Prediger", fiel er der dicken Rechtsgelehrsamkeit ins Wort, "sollte
Herr Damis gewi auch werden.  Eine schne Statur; eine starke
deutliche Stimme; ein gutes Gedchtnis; ein feiner Vortrag; eine
anstndige Dreistigkeit; ein reifer Verstand, der ber seine Meinungen
trkenmig zu halten wei: alle diese Eigenschaften glaube ich, in
einem ziemlich hohen Grade, bei ihm bemerkt zu haben.  Nur um einen
Punkt ist mir bange.  Ich frchte, ich frchte, er ist auch ein wenig
von der Freigeisterei angesteckt."--"Ei, was Freigeisterei?" schrie
der schon halb trunkene Medikus.  "Die Freigeister sind brave Leute!
Wird er deswegen keinen Kranken kurieren knnen?  Wenn es nach mir
geht, so mu er ein Medikus werden.  Griechisch kann er, und
Griechisch ist die halbe Medizin.  (Indem sie allmhlich wieder lauter
spricht.) Freilich das Herz, das dazu gehrt, kann sich niemand geben.
Doch das kmmt von sich selbst, wenn man erst eine Weile praktiziert
hat."--"Nu", fiel ihm ein alter Kaufmann in die Rede, "so mu es mit
den Herrn Medizinern wohl sein wie mit den Scharfrichtern.  Wenn die
zum ersten Male kpfen, so zittern und beben sie; je fter sie aber
den Versuch wiederholen, desto frischer geht es."--Und auf diesen
Einfall ward eine ganze Viertelstunde gelacht; in einem fort, in einem
fort; sogar das Trinken ward darber vergessen.




Neunter Auftritt

Lisette.  Damis.  Anton.


Anton.  Herr, die Post wird heute vor neun Uhr nicht kommen.  Ich habe
gefragt; Sie knnen sieh darauf verlassen.

Damis.  Mut du uns aber denn schon wieder stren, Idiote?

Anton.  Es soll mir recht lieb sein, wann ich Sie nur noch zur rechten
Zeit gestrt habe.

Damis.  Was willst du mit deiner rechten Zeit?

Anton.  Ich will mich gegen Lisetten schon deutlicher erklren.  Darf
ich ihr etwas ins Ohr sagen?

Lisette.  Was wirst du mir ins Ohr zu sagen haben?

Anton.  Nur ein Wort.  (Sachte.) Du denkst, ich habe nicht gehorcht?
Sagtest du nicht: du httest nicht Herz genug dazu? doch wenn du nur
erst das Ding eine Weile wrdest praktizierst haben--O ich habe alles
gehrt--Kurz, wir sind geschiedne Leute!  Du Unverschmte, Garstige--

Lisette.  Sage nur, was du willst?

Damis.  Gleich, geh mir wieder aus den Augen!  Und komme mir nicht
wieder vors Gesicht, bis ich dich rufen werde oder bis du mir Briefe
von Berlin bringst!--Ich kann sie kaum erwarten.  So macht es die
bermige Freude!  Zwar sollte ich Hoffnung sagen, weil jene nur auf
das Gegenwrtige und diese auf das Zuknftige geht.  Doch hier ist das
Zuknftige schon so gewi als das Gegenwrtige.  Ich brauche die
Sprache der Propheten, die ihrer Sachen doch unmglich so gewi sein
konnten.--Die ganze Akademie mte blind sein.--Nun, was stehst du
noch da?  Wirst du gehen?




Zehnter Auftritt

Lisette.  Damis.


Lisette.  Da sehen Sie! so lobten Sie die Leute.

Damis.  Ah, wann die Leute nicht besser loben knnen, so mchten sie
es nur gar bleiben lassen.  Ich will mich nicht rhmen, aber doch so
viel kann ich mir ohne Hochmut zutrauen: ich will meiner Braut die
Wahl lassen, ob sie lieber einen Doktor der Gottesgelahrtheit oder der
Rechte oder der Arzneikunst zu ihrem Manne haben will.  In allen drei
Fakultten habe ich disputiert; in allen dreien habe ich--

Lisette.  Sie sprechen von einer Braut? heiraten Sie denn wirklich?

Damis.  Hat Sie denn auch schon davon gehrt, Lisette?

Lisette.  Kmmt denn wohl ohn' unsereiner irgend in einem Hause eine
Heirat zustande?  Aber eingebildet htte ich mir es nimmermehr, da
Sie sich fr Julianen entschlieen wrden! fr Julianen!

Damis.  Grtenteils tue ich es dem Vater zu Gefallen, der auf die
auerordentlichste Weise deswegen in mich dringt.  Ich wei wohl, da
Juliane meiner nicht wert ist.  Allein soll ich einer solchen
Kleinigkeit wegen, als eine Heirat ist, den Vater vor den Kopf stoen?
Und dazu habe ich sonst einen Einfall, der mir ganz wohl lassen wird.

Lisette.  Freilich ist Juliane Ihrer nicht wert; und wenn nur alle
Leute die gute Mamsell so kennten als ich--




Eilfter Auftritt

Anton.  Damis.  Lisette.


Anton (vor sich).  Ich kann die Leute unmglich so alleine lassen.
--Herr Valer fragt, ob Sie in Ihrer Stube sind?  Sind Sie noch da,
Herr Damis?

Damis.  Sage mir nur, Unwissender, hast du dir es denn heute recht
vorgesetzt, mir beschwerlich zu fallen?

Lisette.  So lassen Sie ihn nur da, Herr Damis.  Er bleibt doch nicht
weg--

Anton.  Ja, jetzt soll ich dableiben; jetzt, da es schon vielleicht
vorbei ist, was ich nicht hren und sehen sollte.

Damis.  Was soll denn vorbei sein?

Anton.  Das werden Sie wohl wissen.

Lisette (sachte).  Jetzt, Anton, hilf mir, Julianen bei deinem Herrn
recht schwarz machen.  Willst du?

Anton.  Ei ja doch! zum Danke vielleicht--

Lisette.  So schweig wenigstens.--Notwendig, Herr Damis, mssen Sie
mit Julianen bel fahren.  Ich bedaure Sie im voraus.  Der ganze
Erdboden trgt kein rgeres Frauenzimmer--

Anton.  Glauben Sie es nicht, Herr Damis; Juliane ist ein recht gut
Kind.  Sie knnen mit keiner in der Welt besser fahren.  Ich wnsche
Ihnen im voraus Glck.

Lisette.  Wahrhaftig! du mut gegen deinen Herrn sehr redlich gesinnt
sein, da du ihm eine so unertrgliche Plage an den Hals schwatzen
willst.

Anton.  Noch weit redlicher mut du gegen deine Mamsell sein, da du
ihr einen so guten Ehemann, als Herr Damis werden wird, mignnest.

Lisette.  Einen guten Ehemann?  Nun wahrhaftig, ein guter Ehemann, das
ist auch alles, was sie sich wnscht.  Ein Mann, der alles gut sein
lt--

Anton.  Ho! ho! alles?  Hren Sie, Herr Damis, fr was Sie Lisette
ansieht?  Aus der Ursache mchtest du wohl selbst gern seine Frau
sein?  Alles? ei! unter das alles, gehrt wohl auch--? du verstehst
mich doch?

Damis.  Aber im Ernste, Lisette; glaubt Sie wirklich, da Ihre Jungfer
eine recht bse Frau werden wird?  Hat sie in der Tat viel schlimme
Eigenschaften?

Lisette.  Viel?  Sie hat sie alle, die man haben kann; auch nicht die
ausgenommen, die einander widersprechen.

Damis.  Will Sie mir nicht ein Verzeichnis davon geben?

Lisette.  Wo soll ich anfangen?--Sie ist albern--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Und ich sage: Lgen!

Lisette.  Sie ist znkisch--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Und ich sage: Lgen!

Lisette.  Sie ist eitel--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Lgen! sag ich.

Lisette.  Sie ist keine Wirtin--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Lgen!

Lisette.  Sie wird Sie durch bertriebenen Staat, durch bestndige
Ergtzlichkeiten und Schmausereien, um alle das Ihrige bringen--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Lgen!

Lisette.  Sie wird Ihnen die Sorge um eine Herde Kinder auf den Hals
laden--

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Das tun die besten Weiber am ersten!

Lisette.  Aber um Kinder, die aus der rechten Quelle nicht geholt sind.

Damis.  Kleinigkeit!

Anton.  Und zwar Kleinigkeit nach der Mode!

Lisette.  Kleinigkeit? aber was denken Sie denn, Herr Damis?

Damis.  Ich denke, da Juliane nicht arg genug sein kann.  Ist sie
albern? ich bin desto klger; ist sie znkisch? ich bin desto
gelassener; ist sie eitel? ich bin desto philosophischer gesinnt;
vertut sie? sie wird aufhren, wenn sie nichts mehr hat; ist sie
fruchtbar? so mag sie sehen, was sie vermag, wann sie es mit mir um
die Wette sein will.  Ein jedes mache sich ewig, womit es kann; das
Weib durch Kinder, der Mann durch Bcher.

Anton.  Aber merken Sie denn nicht, da Lisette ihre Ursachen haben
mu, Julianen so zu verleumden?

Damis.  Ach freilich merk ich es.  Sie gnnt mich ihr und beschreibt
sie mir also vollkommen nach meinem Geschmacke.  Sie hat es ohne
Zweifel geschlossen, da ich ihre Mamsell nur eben deswegen, weil sie
das unertrglichste Frauenzimmer ist, heiraten will.

Lisette.  Nur deswegen? nur deswegen? und das htte ich geschlossen?
Ich mte Sie fr irre im Kopfe gehalten haben.  berlegen Sie doch
nur--

Damis.  Das geht zu weit, Lisette!  Traut Sie mir keine berlegung zu?
Was ich gesagt habe, ist die Frucht einer nur allzu scharfen
berlegung.  Ja, es ist beschlossen: ich will die Zahl der unglcklich
scheinenden Gelehrten, die sich mit bsen Weibern vermhlt haben,
vermehren.  Dieser Vorsatz ist nicht von heute.

Anton.  Nein, wahrhaftig!--Was aber der Teufel nicht tun kann!  Wer
htte es sich jetzt sollen trumen lassen, jetzt da es Ernst werden
soll?  Ich mu lachen; Lisette wollte ihn von der Heirat abziehen und
hat ihm nur mehr dazu beredt; und ich, ich wollte ihn dazu bereden und
htte ihn bald davon abgezogen.

Damis.  Einmal soll geheiratet sein.  Auf eine recht gute Frau darf
ich mir nicht Rechnung machen; also whle ich mir eine recht schlimme.
Eine Frau von der gemeinen Art, die weder kalt noch warm, weder recht
gut noch recht schlimm ist, taugt fr einen Gelehrten nichts, ganz und
gar nichts!  Wer wird sich nach seinem Tode um sie bekmmern?
Gleichwohl verdient er es doch, da sein ganzes Haus mit ihm
unsterblich bleibe.  Kann ich keine Frau haben, die einmal ihren Platz
in einer Abhandlung de bonis Eruditorum uxoribus findet, so will ich
wenigstens eine haben, mit welcher ein fleiiger Mann seine Sammlung
de malis Eruditorum uxoribus vermehren kann.  Ja, ja; ich bin es
ohnehin meinem Vater, als der einzige Sohn, schuldig, auf die
Erhaltung seines Namens mit der uersten Sorgfalt bedacht zu sein.

Lisette.  Kaum kann ich mich von meinem Erstaunen erholen--Ich habe
Sie, Herr Damis, fr einen so groen Geist gehalten--

Damis.  Und das nicht mit Unrecht.  Doch eben hierdurch glaube ich den
strksten Beweis davon zu geben.

Lisette.  Ich mchte platzen!--Ja, ja, den strksten Beweis, da
niemand schwerer zu fangen ist als ein junger Gelehrter; nicht sowohl
wegen seiner Einsicht und Verschlagenheit als wegen seiner Narrheit.

Damis.  Wie, so naseweis, Lisette?  Ein junger Gelehrter?--ein junger
Gelehrter?--

Lisette.  Ich will Ihnen die Verweise ersparen.  Valer soll gleich von
allem Nachricht bekommen.  Ich bin Ihre Dienerin.




Zwlfter Auftritt

Anton.  Damis.


Anton.  Da sehen Sie!  Nun luft sie fort, da Sie nach ihrer Pfeife
nicht tanzen wollen.--

Damis.  Mulier non Homo! bald werde ich auch dieses Paradoxon fr wahr
halten.  Wodurch zeigt man, da man ein Mensch ist?  Durch den
Verstand.  Wodurch zeigt man, da man Verstand hat?  Wann man die
Gelehrten und die Gelehrsamkeit gehrig zu schtzen wei.  Dieses kann
kein Weibsbild, und also hat es keinen Verstand, und also ist es kein
Mensch.  Ja, wahrhaftig ja; in diesem Paradoxo liegt mehr Wahrheit als
in zwanzig Lehrbchern.

Anton.  Wie ist mir denn?  Ich habe Ihnen doch gesagt, da Sie Herr
Valer gesucht hat?  Wollen Sie nicht gehen und ihn sprechen?

Damis.  Valer? ich will ihn erwarten.  Die Zeiten sind vorbei, da ich
ihn hochschtzte.  Er hat seit einigen Jahren die Bcher beiseite
gelegt; er hat sich das Vorurteil in den Kopf setzen lassen, da man
sich vollends durch den Umgang und durch die Kenntnis der Welt
geschickt machen msse, dem Staate ntzliche Dienste zu leisten.  Was
kann ich mehr tun als ihn bedauern?  Doch ja, endlich werde ich mich
auch seiner schmen mssen.  Ich werde mich schmen mssen, da ich
ihn ehemals meiner Freundschaft wert geschtzt habe.  O wie ekel mu
man in der Freundschaft sein!  Doch was hat geholfen, da ich es bis
auf den hchsten Grad gewesen bin?  Umsonst habe ich mich vor der
Bekanntschaft aller mittelmigen Kpfe gehtet; umsonst habe ich mich
bestrebt, nur mit Genies, nur mit originellen Geistern umzugehen:
dennoch mute mich Valer, unter der Larve eines solchen, hintergehen.
O Valer!  Valer!

Anton.  Laut genug, wenn er es hren soll.

Damis.  Ich htte ber sein kaltsinniges Kompliment bersten mgen!
Von was unterhielt er mich? von nichtswrdigen Kleinigkeiten.  Und
gleichwohl kam er von Berlin, und gleichwohl htte er mir die
allerangenehmste Neuigkeit zuerst berichten knnen.  O Valer!  Valer!

Anton.  St! wahrhaftig er kmmt.  Sehen Sie, da er sich nicht dreimal
rufen lt?




Dreizehnter Auftritt

Damis.  Valer.  Anton.


Valer.  Verzeihen Sie, liebster Freund, da ich Sie in Ihrer gelehrten
Ruhe stre--

Anton.  Wenn er doch gleich sagte, Faulheit.

Damis.  Stren?  Ich sollte glauben, da Sie mich zu stren kmen?
Nein, Valer, ich kenne Sie zu wohl; Sie kommen, mir die angenehmsten
Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Aufmerksamkeit eines Gelehrten,
der seine Belohnung erwartet, wrdig sind.--Einen Stuhl, Anton!
--Setzen Sie sich.

Valer.  Sie irren sich, liebster Freund.  Ich komme, Ihnen die
Unbestndigkeit Ihres Vaters zu klagen; ich komme, eine Erklrung von
Ihnen zu verlangen, von welcher mein ganzes Glck abhngen wird.--

Damis.  Oh! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, da Sie vorhin die
Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir vertraulicher zu
besprechen und mir Ihre Freude ber die Ehre zu bezeigen, die mir der
billige Ausspruch der Akademie--

Valer.  Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einen Augenblick
von etwas minder Gleichgltigem reden.

Damis.  Von etwas minder Gleichgltigem?  Also ist Ihnen meine Ehre
gleichgltig?  Falscher Freund!--

Valer.  Ihnen wird diese Benennung zukommen, wann Sie mich lnger von
dem, was fr ein zrtliches Herz das wichtigste ist, abbringen werden.
Ist es wahr, da Sie Julianen heiraten wollen? da Ihr Vater dieses
allzu zrtliche Frauenzimmer durch Bande der Dankbarkeit binden will,
in seiner Wahl minder frei zu handeln?  Habe ich Ihnen jemals aus
meiner Neigung gegen Julianen ein Geheimnis gemacht?  Haben Sie mir
nicht von jeher versprochen, meiner Liebe behilflich zu sein?

Damis.  Sie ereifern sich, Valer; und vergessen, da ein Weibsbild die
Ursache ist.  Schlagen Sie sich diese Kleinigkeit aus dem Sinne--Sie
mssen in Berlin gewesen sein, da die Akademie den Preis auf dieses
Jahr ausgeteilet hat.  Die Monaden sind die Aufgabe gewesen.  Sollten
Sie nicht etwa gehrt haben, da die Devise--

Valer.  Wie grausam sind Sie, Damis!  So antworten Sie mir doch!

Damis.  Und Sie wollen mir nicht antworten?  Besinnen Sie sich; sollte
nicht die Devise Unum est necessarium sein gekrnt worden?  Ich
schmeichle mir wenigstens--

Valer.  Bald schmeichle ich mir nun mit nichts mehr, da ich Sie so
ausschweifend sehe.  Bald werde ich nun auch glauben mssen, da die
Nachricht, die ich fr eine Sptterei von Lisetten gehalten habe,
gegrndet sei.  Sie halten Julianen fr Ihrer unwert, Sie halten sie
fr die Schande ihres Geschlechts, und eben deswegen wollen Sie sie
heiraten?  Was fr ein ungeheurer Einfall!

Damis.  Ha! ha! ha!

Valer.  Ja, lachen Sie nur, Damis, lachen Sie nur!  Ich bin ein Tor,
da ich einen Augenblick solchen Unsinn von Ihnen habe glauben knnen.
Sie haben Lisetten zum besten gehabt oder Lisette mich.  Nein, nur in
ein zerrttetes Gehirn kann ein solcher Entschlu kommen!  Ihn zu
verabscheuen braucht man nur vernnftig zu denken und lange nicht edel,
wie Sie doch zu denken gewohnt sind.  Aber lsen Sie mir, ich bitte
Sie, dieses marternde Rtsel!

Damis.  Bald werden Sie mich, Valer, auf Ihr Geschwtze aufmerksam
gemacht haben.  So verlangen Sie doch in der Tat, da ich meinen Ruhm
Ihrer trichten Neigung nachsetzen soll?  Meinen Ruhm!--Doch
wahrhaftig, ich will vielmehr glauben, da Sie scherzen.  Sie wollen
versuchen, ob ich in meinen Entschlieungen auch wankelhaft bin.

Valer.  Ich scherzen? der Scherz sei verflucht, der mir hier in den
Sinn kommt!--

Damis.  Desto lieber ist mir es, wann Sie endlich ernsthaft reden
wollen.  Was ich Ihnen sage: die Schrift mit der Devise Unum est
necessarium--




Vierzehnter Auftritt

Chrysander.  Damis.  Valer.  Anton.


Chrysander (mit einem Zeitungsblatte in der Hand).  Nun, nicht wahr,
Herr Valer? mein Sohn ist nicht von der Heirat abzubringen?  Sehen Sie,
da nicht sowohl ich als er auf diese Heirat dringt?

Damis.  Ich? ich auf die Heirat dringen?

Chrysander.  St! st! st!

Damis.  Ei was st, st?  Meine Ehre leidet hierunter.  Knnte man nicht
auf die Gedanken kommen, wer wei was mir an einer Frau gelegen sei?

Chrysander.  St! st! st!

Valer.  Oh! brauchen Sie doch keine Umstnde.  Ich sehe es ja wohl;
Sie sind mir beide entgegen.  Was fr ein Unglck hat mich in dieses
Haus fhren mssen!  Ich mu eine liebenswrdige Person antreffen; ich
mu ihr gefallen und mu doch endlich, nach vieler Hoffnung, alle
Hoffnung verlieren.  Damis, wenn ich jemals einiges Recht auf Ihre
Freundschaft gehabt habe--

Damis.  Aber, nicht wahr, Valer? einer Sache wegen mu man auf die
Berlinische Akademie recht bse sein?  Bedenken Sie doch, sie will
knftig die Aufgaben zu dem Preise zwei Jahr vorher bekanntmachen.
Warum denn zwei Jahr? war es nicht an einem genug?  Hlt sie denn die
Deutschen fr so langsame Kpfe?  Seit ihrer Erneuerung habe ich jedes
Jahr meine Abhandlung mit eingeschickt; aber, ohne mich zu rhmen,
lnger als acht Tage habe ich ber keine zugebracht.

Chrysander.  Wit ihr denn aber auch, ihr lieben Leute, was in den
Niederlanden vorgegangen ist?  Ich habe hier eben die neuste Zeitung.
Sie haben sich die Kpfe wacker gewaschen.  Doch die Alliierten, ich
bin in der Tat recht bse auf sie.  Haben sie nicht wieder einen
wunderbaren Streich gemacht!--

Anton.  Nun, da reden alle drei etwas anders!  Der spricht von der
Liebe; der von seinen Abhandlungen; der vom Kriege.  Wenn ich auch
etwas Besonders reden soll, so werde ich vom Abendessen reden.  Vom
Mittage an bis auf den Abend um sechs Uhr zu fasten sind keine
Narrenspossen.

Valer.  Unglckliche Liebe!

Damis.  Die unbesonnene Akademie!

Chrysander.  Die dummen Alliierten!

Anton.  Die vierte Stimme fehlt noch: die langsamen Bratenwender!




Funfzehnter Auftritt

Lisette.  Damis.  Valer.  Chrysander.  Anton.


Lisette.  Nun, Herr Chrysander? ich glaubte, Sie htten die Herren zu
Tische rufen wollen?  Ich sehe aber, Sie wollen selbst gerufen sein.
Es ist schon aufgetragen.

Anton.  Das war die hchste Zeit! dem Himmel sei Dank!

Chrysander.  Es ist wahr; es ist wahr; ich htte es bald vergessen.
Der Zeitungsmann hielt mich auf der Treppe auf.  Kommen Sie, Herr
Valer; wir wollen die jetzigen Staatsgeschfte ein wenig miteinander
bei einem Glschen berlegen.  Schlagen Sie sich Julianen aus dem
Kopfe.  Und du, mein Sohn, du magst mit deiner Braut schwatzen.  Du
wirst gewi eine wackre Frau an ihr haben; nicht so eine Xanthippe
wie--

Damis.  Xanthippe? wie verstehen Sie das?  Sind Sie etwa auch noch in
dem pbelhaften Vorurteile, da Xanthippe eine bse Frau gewesen sei?

Chrysander.  Willst du sie etwa fr eine gute halten?  Du wirst doch
nicht die Xanthippe verteidigen?  Pfui! das heit einen Abc-Schnitzer
machen.  Ich glaube, ihr Gelehrten, je mehr ihr lernt, je mehr verget
ihr.

Damis.  Ich behaupte aber, da man kein einzig tchtiges Zeugnis fr
Ihre Meinung anfhren kann.  Das ist das erste, was die ganze Sache
verdchtig macht; und zum andern--

Lisette.  Das ewige Geplaudre!

Chrysander.  Lisette hat recht!  Mein Sohn, contra principia negantem,
non est disputandum.  Kommt!  Kommt!

(Chrysander, Damis und Anton gehen ab.)

Valer.  Nun ist alles fr mich verloren, Lisette.  Was soll ich
anfangen?

Lisette.  Ich wei keinen Rat; wann nicht der Brief--

Valer.  Dieser Betrug wre zu arg, und Juliane will ihn nicht zugeben.

Lisette.  Ei, was Betrug?  Wenn der Betrug ntzlich ist, so ist er
auch erlaubt.  Ich sehe es wohl, ich werde es selbst tun mssen.
Kommen Sie nur fort, und fassen Sie wieder Mut.




Dritter Aufzug




Erster Auftritt

Lisette.  Anton.


Lisette.  So warte doch, Anton.

Anton.  Ei, la mich zufrieden.  Ich mag mit dir nichts zu tun haben.

Lisette.  Wollen wir uns also nicht wieder vershnen?  Willst du nicht
tun, was ich dich gebeten habe?

Anton.  Dir sollte ich etwas zu Gefallen tun?

Lisette.  Anton, lieber Anton, goldner Anton, tu es immer.  Wie leicht
kannst du nicht dem Alten den Brief geben und ihm sagen, der
Posttrger habe ihn gebracht?

Anton.  Geh! du Schlange!  Wie sie nun schmeicheln kann!--Halte mich
nicht auf.  Ich soll meinem Herrn ein Buch bringen.  La mich gehen.

Lisette.  Deinem Herrn ein Buch?  Was will er denn mit dem Buche bei
Tische?

Anton.  Die Zeit wird ihm lang; und will er nicht mige Weile haben,
so mu er sich doch wohl etwas zu tun machen.

Lisette.  Die Zeit wird ihm lang? bei Tische?  Wenn es noch in der
Kirche wre.  Reden sie denn nichts?

Anton.  Nicht ein Wort.  Ich bin ein Schelm, wenn es auf einem
Totenmahle so stille zugehen kann.

Lisette.  Wenigstens wird der Alte reden.

Anton.  Der redt, ohne zu reden.  Er it und redt zugleich; und ich
glaube, er gbe wer wei was darum, wenn er noch dazu trinken knnte,
und das alles dreies auf einmal.  Das Zeitungsblatt liegt neben dem
Teller; das eine Auge sieht auf den und das andre auf jenes.  Mit dem
einen Backen kaut er, und mit dem andern redt er.  Da kann es freilich
nun nicht anders sein, die Worte mssen auf dem Gekauten sitzenbleiben,
soda man ihn mit genauer Not noch murmeln hrt.

Lisette.  Was machen aber die brigen?

Anton.  Die brigen?  Valer und Juliane sind wie halb tot.  Sie essen
nicht und reden nicht; sie sehen einander an; sie seufzen; sie
schlagen die Augen nieder; sie schielen bald nach dem Vater, bald nach
dem Sohne; sie werden wei; sie werden rot.  Der Zorn und die
Verzweiflung sieht beiden aus den Augen.--Aber juchhe! so recht!
Siehst du, da es nicht nach deinem Kopfe gehen mu?  Mein Herr soll
Julianen haben, und wenn--

Lisette.  Ja, dein Herr!  Was macht aber der?

Anton.  Lauter dumme Streiche.  Er kritzelt mit der Gabel auf dem
Teller; hngt den Kopf; bewegt das Maul, als ob er mit sich selbst
redte; wackelt mit dem Stuhle; stt einmal ein Weinglas um; lt es
liegen; tut, als wenn er nichts merkte, bis ihm der Wein auf die
Kleider laufen will; nun fhrt er auf und spricht wohl gar, ich htte
es umgegossen.--Doch genug geplaudert; er wird auf mich fluchen, wo
ich ihm das Buch nicht bald bringe.  Ich mu es doch suchen.  Auf dem
Tische, zur rechten Hand, soll es liegen.  Ja zur rechten Hand; welche
rechte Hand meint er denn?  Trete ich so, so ist das die rechte Hand;
trete ich so, so ist sie das; trete ich so, so ist sie das; und das
wird sie, wenn ich so trete.  (Tritt an alle vier Seiten des Tisches.)
Sage mir doch, Lisette, welches ist denn die rechte rechte Hand?

Lisette.  Das wei ich so wenig als du.  Schade auf das Buch; er mag
es selbst holen.  Aber Anton, wir vergessen das Wichtigste; den Brief--

Anton.  Kmmst du mir schon wieder mit deinem Briefe?  Denkt doch;
deinetwegen soll ich meinen Herrn betrgen?

Lisette.  Es soll aber dein Schade nicht sein.

Anton.  So? ist es mein Schade nicht, wann ich das, was mir Chrysander
versprochen hat, mu sitzenlassen?

Lisette.  Dafr aber verspricht dich Valer schadlos zu halten.

Anton.  Wo verspricht er mir es denn?

Lisette.  Wunderliche Haut! ich verspreche es dir an seiner Statt.

Anton.  Und wenn du es auch an seiner Statt halten sollst, so werde
ich viel bekommen.  Nein, nein; ein Sperling in der Hand ist besser
als eine Taube auf dem Dache.

Lisette.  Wann du die Taube gewi fangen kannst, so wird sie doch
besser sein als der Sperling?

Anton.  Gewi fangen! als wenn sich alles fangen liee!  Nicht wahr,
wann ich die Taube haschen will, so mu ich den Sperling aus der Hand
fliegen lassen?

Lisette.  So la ihn fliegen.

Anton.  Gut! und wann sich nun die Taube auch davonmacht?  Nein, nein,
Jungfer, so dumm ist Anton nicht.

Lisette.  Was du fr kindische Umstnde machst!  Bedenke doch, wie
glcklich du sein kannst.

Anton.  Wie denn? la doch hren.

Lisette.  Valer hat versprochen, mich auszustatten.  Was sind so einem
Kapitalisten tausend Taler?

Anton.  Auf die machst du dir Rechnung?

Lisette.  Wenigstens.  Dich wrde er auch nicht leer ausgehen lassen,
wann du mir behilflich wrest.  Ich htte alsdenn Geld; du httest
auch Geld: knnten wir nicht ein allerliebstes Paar werden?

Anton.  Wir? ein Paar?  Wenn dich mein Herr nicht versteckt htte.

Lisette.  Tust du nicht recht albern!  Ich habe dir ja alles erzhlt,
was unter uns vorgegangen ist.  Dein Herr, das Bcherwrmchen!

Anton.  Ja, auch das sind verdammte Tiere, die Bcherwrmer.  Es ist
schon wahr, ein Mdel wie du, mit tausend Talern, die ist wenigstens
tausend Taler wert; aber nur das Kabinett--das Kabinett--

Lisette.  Hre doch einmal auf, Anton, und la dich nicht so lange
bitten.

Anton.  Warum willst du aber dem Alten den Brief nicht selbst geben?

Lisette.  Ich habe dir ja gesagt, was darin steht.  Wie leicht knnte
Chrysander nicht argwhnen--

Anton.  Ja, ja, mein ffchen, ich merk es schon; du willst die
Kastanien aus der Asche haben und brauchst Katzenpfoten dazu.

Lisette.  Je nun, mein liebes Katerchen, tu es immer!

Anton.  Wie sie es einem ans Herze legen kann!  Liebes Katerchen!  Gib
nur her, den Brief; gib nur!

Lisette.  Da, mein unvergleichlicher Anton--

Anton.  Aber es hat doch mit der Ausstattung seine Richtigkeit?--

Lisette.  Verla dich drauf--

Anton.  Und mit meiner Belohnung obendrein?--

Lisette.  Desgleichen.

Anton.  Nun wohl, der Brief ist bergeben!

Lisette.  Aber so bald als mglich--

Anton.  Wenn du willst, jetzt gleich.  Komm!--Potz Stern! wer
kmmt?--Zum Henker, es ist Damis.




Zweiter Auftritt

Damis.  Anton.  Lisette.


Damis.  Wo bleibt denn der Schlingel mit dem Buche?

Anton.  Ich wollte gleich, ich wollte--Lisette und--Kurz, ich kann es
nicht finden, Herr Damis.

Damis.  Nicht finden?  Ich habe dir ja gesagt, auf welcher Hand es
liegt.

Anton.  Auf der rechten, haben Sie wohl gesagt; aber nicht auf welcher
rechten?  Und das wollte ich Sie gleich fragen kommen.

Damis.  Dummkopf, kannst du nicht so viel erraten, da ich von der
Seite rede, an welcher ich sitze?

Anton.  Es ist auch wahr, Lisette; und darber haben wir uns den Kopf
zerbrochen!  Herr Damis ist doch immer klger als wir!  (Indem er ihm
hinterwrts einen Mnch sticht.) Nun will ich es wohl finden.  Wei
eingebunden, roten Schnitt, nicht?  Gehen Sie nur, ich will es gleich
bringen.

Damis.  Ja, nun ist es Zeit, da wir schon vom Tische aufgestanden sind.

Anton.  Schon aufgestanden?  Zum Henker, ich bin noch nicht satt.
Sind sie schon alle, alle aufgestanden?

Damis.  Mein Vater wird noch sitzen und die Zeitung auswendig lernen,
damit er morgen in seinem Krnzchen den Staatsmann spielen kann.  Geh
geschwind, wenn du glaubst, von seinen politischen Brocken satt zu
werden.  Was will aber Lisette hier?

Lisette.  Bin ich jetzt nicht ebensowohl zu leiden als vorhin?

Damis.  Nein, wahrhaftig nein.  Vorhin glaubte ich, Lisette htte
wenigstens so viel Verstand, da ihr Plaudern auf eine Viertelstunde
ertrglich sein knnte; aber ich habe mich geirrt.  Sie ist so dumm
wie alle brige im Hause.

Lisette.  Ich habe die Ehre, mich im Namen aller brigen zu bedanken.

Anton.  Verzweifelt! das geht ja jetzt aus einem ganz andern Tone!
Gott gebe, da sie sich recht zanken!  Aber zuhren mag ich
nicht--Lisette, ich will immer gehen.

Lisette (sachte).  Den Brief vergi nicht; geschwind!

Damis.  So! hast du Lisetten um Urlaub zu bitten?  Ich befehle dir:
bleib da.  Ich wte nicht, wohin du zu gehen httest.

Anton.  Auf die Post, Herr Damis; auf die Post!

Damis.  Doch, es ist wahr; nun so geh! geh!




Dritter Auftritt

Damis.  Lisette.


Damis.  Lisette kann sich nur auch gleich mit fortmachen.  Will denn
meine Stube heute gar nicht leer werden?  Bald ist der da, bald jener;
bald die, bald jene.  Soll ich denn nicht einen Augenblick allein
sein?  (Setzt sich an seinen Tisch.) Die Musen verlangen Einsamkeit,
und nichts verjagt sie eher als der Tumult.  Ich habe so viele und
wichtige Verrichtungen, da ich nicht wei, wo ich zuerst anfangen
soll; und gleichwohl strt man mich.  Mit der Heirat, mit einer so
nichtswrdigen Sache, ist der grte Teil des Nachmittags
daraufgegangen; soll mir denn auch der Abend durch das ewige Hin- und
Wiederlaufen entrissen werden?  Ich glaube, da in keinem Hause der
Miggang so herrschen kann als in diesem.

Lisette.  Und besonders auf dieser Stube.

Damis.  Auf dieser Stube?  Ungelehrte!  Unwissende!

Lisette.  Ist das geschimpft oder gelobt?

Damis.  Was fr eine niedertrchtige Seele! die Unwissenheit, die
Ungelehrsamkeit fr keinen Schimpf zu halten! fr keinen Schimpf?  So
mchte ich doch die Begriffe wissen, die eine so unsinnige Schwtzerin
von Ehre und Schande hat.  Vielleicht, da bei ihr die Gelehrsamkeit
ein Schimpf ist?

Lisette.  Wahrhaftig, wann sie durchgngig von dem Schlage ist wie bei
Ihnen--

Damis.  Nein, das ist sie nicht.  Die wenigsten haben es so weit
gebracht--

Lisette.  Da man nicht unterscheiden kann, ob sie nrrisch oder
gelehrt sind?--

Damis.  Ich mchte aus der Haut fahren--

Lisette.  Tun Sie das, und fahren Sie in eine klgere.

Damis.  Wie lange soll ich noch den Beleidigungen der nichtswrdigsten
Kreatur ausgesetzt sein?--Tausend wrden sich glcklich preisen, wenn
sie nur den zehnten Teil meiner Verdienste htten.  Ich bin erst
zwanzig Jahr alt; und wie viele wollte ich finden, die dieses Alter
beinahe dreimal auf sich haben und gleichwohl mit mir--Doch ich rede
umsonst.  Was kann es mir fr Ehre bringen, eine Unsinnige von meiner
Geschicklichkeit zu berfhren?  Ich verstehe sieben Sprachen
vollkommen und bin erst zwanzig Jahr alt.  In dem ganzen Umfange der
Geschichte und in allen mit ihr verwandten Wissenschaften bin ich ohne
gleichem--

Lisette.  Und Sie sind erst zwanzig Jahr alt!

Damis.  Wie stark ich in der Weltweisheit bin, bezeugt die hchste
Wrde, die ich schon vor drei Jahren darin erhalten habe.  Noch
unwidersprechlicher wird es die Welt jetzt aus meiner Abhandlung von
den Monaden erkennen.--Ach, die verwnschte Post!--

Lisette.  Und Sie sind erst zwanzig Jahr alt!

Damis.  Von meiner mehr als demosthenischen Beredsamkeit kann meine
satirische Lobrede auf den Nix der Nachwelt eine ewige Probe geben.

Lisette.  Und Sie sind erst zwanzig Jahr alt!

Damis.  Freilich!  Auch in der Poesie darf ich meine Hand nach dem
unvergnglichsten Lorbeer ausstrecken.  Gegen mich kriecht Milton, und
Haller ist gegen mich ein Schwtzer.  Meine Freunde, welchen ich sonst
zum ftern meine Versuche, wie ich sie zu nennen belieben vorgelesen
habe, wollen jetzt gar nichts mehr davon hren und versichern mich
allezeit auf das aufrichtigste, da sie schon genugsam von meiner mehr
als gttlichen Ader berzeugt wren.

Lisette.  Und Sie sind erst zwanzig Jahr alt!

Damis.  Kurz, ich bin ein Philolog, ein Geschichtskundiger, ein
Weltweiser, ein Redner, ein Dichter--

Lisette.  Und Sie sind erst zwanzig Jahr alt!  Ein Weltweiser ohne
Bart und ein Redner, der noch nicht mndig ist! schne Raritten!

Damis.  Fort! den Augenblick aus meiner Stube!

Lisette.  Den Augenblick?  Ich mchte gar zu gern die schne Ausrufung:
und Sie sind erst zwanzig Jahr alt! noch einmal anbringen.  Haben Sie
nichts mehr an sich zu rhmen?  O noch etwas!  Wollen Sie nicht?  Nun
so will ich es selbst tun.  Hren Sie recht zu, Herr Damis: Sie sind
noch nicht klug und sind schon zwanzig Jahr alt!

Damis.  Was? wie?  (Steht zornig auf.)

Lisette.  Leben Sie wohl!  Leben Sie wohl!

Damis.  Himmel! was mu man von den ungelehrten Bestien erdulden!  Ist
es mglich von einem unwissenden Weibsbilde--




Vierter Auftritt

Chrysander.  Anton.  Damis.


Chrysander.  Das ist ein verfluchter Brief, Anton!  Ei! ei! mein Sohn,
mein Sohn, post coenam stabis, vel passus mille meabis.  Du wirst doch
nicht schon wieder sitzen?

Damis.  Ein andrer, der nichts zu tun hat, mag sich um dergleichen
barbarische Gesundheitsregeln bekmmern.  Wichtige Beschftigungen--

Chrysander.  Was willst du von wichtigen Beschftigungen reden?

Damis.  Ich nicht, Herr Vater?  Die meisten von den Bchern, die Sie
hier auf dem Tische sehen, warten teils auf meine Noten, teils auf
meine bersetzung, teils auf meine Widerlegung, teils auf meine
Verteidigung, teils auch auf mein bloes Urteil.

Chrysander.  La sie warten!  Jetzt--

Damis.  Jetzt kann ich freilich nicht alles auf einmal verrichten.
Wann ich nur erst mit dem Wichtigsten werde zustande sein.  Sie
glauben nicht, was mir hier eine gewisse Untersuchung fr Nachschlagen
und Kopfbrechen kostet.  Noch eine einzige Kleinigkeit fehlt mir, so
habe ich es bewiesen, da sich Kleopatra die Schlangen an den Arm, und
nicht an die Brust, gesetzt hat--

Chrysander.  Die Schlangen taugen nirgends viel.  Mir wre beinahe
jetzt auch eine in Busen gekrochen; aber noch ist es Zeit.  Hre
einmal, mein Sohn; hier habe ich einen Brief bekommen, der mich--

Damis.  Wie? einen Brief? einen Brief?  Ach, lieber Anton! einen
Brief?  Liebster Herr Vater, einen Brief? von Berlin?  Lassen Sie mich
nicht lnger warten; wo ist er?  Nicht wahr, nunmehr werden Sie
aufhren an meiner Geschicklichkeit zu zweifeln?  Wie glcklich bin
ich!  Anton, weit du es auch schon, was darin steht?

Chrysander.  Was schwrmst du wieder?  Der Brief ist nicht von Berlin;
er ist von meinem Advokaten aus Dresden, und nach dem, was er schreibt,
kann aus deiner Heirat mit Julianen nichts werden.

Damis.  Nichtswrdiger Kerl! so bist du noch nicht wieder auf der Post
gewesen?

Anton.  Ich habe es Ihnen ja gesagt, da vor neun Uhr fr mich auf der
Post nichts zu tun ist.

Damis.  Ah, verberabilissime, non fur, sed trifur!  Himmel! da ich
vor Zorn sogar des Plautus Schimpfwrter brauchen mu.  Wird dir denn
ein vergebner Gang gleich den Hals kosten?

Anton.  Schimpften Sie mich?  Weil ich es nicht verstanden habe, so
mag es hingehen.

Chrysander.  Aber sage mir nur, Damis; nicht wahr, du hast doch einen
kleinen Widerwillen gegen Julianen?  Wenn das ist, so will ich dich
nicht zwingen.  Du mut wissen, da ich keiner von den Vtern bin--

Damis.  Ist die Heirat schon wieder auf dem Tapete?  Wann Sie doch
wegen meines Widerwillens unbesorgt sein wollten.  Genug, ich heirate
sie--

Chrysander.  Das heit so viel, du wolltest dich meinetwegen zwingen?
Das will ich durchaus nicht.  Wenn du gleich mein Sohn bist, so bist
du doch ein Mensch; und jeder Mensch wird frei geboren; er mu machen
knnen, was er will; und--kurz--ich gebe dir dein Wort wieder zurck.

Damis.  Wieder zurck? und vor einigen Stunden konnte ich mich nicht
hurtig genug entschlieen?  Wie soll ich das verstehen?

Chrysander.  Das sollst du so verstehen, da ich es berlegt habe und
da, weil dir Juliane nicht gefllt, sie mir auch nicht ansteht; da
ich ihre wahren Umstnde in diesem Briefe wieder gefunden habe und
da--Du siehst es ja, da ich den Brief nur jetzt gleich bekommen habe.
Ich wei zwar wahrhaftig nicht, was ich davon denken soll?  Die Hand
meines Advokaten ist es nicht--

(Damis setzt sich wieder an den Tisch.)

Anton.  Nicht? oh! die Leutchen mssen mehr als eine Hand zu schreiben
wissen.

Chrysander.  Zu geschwind ist es beinahe auch.  Kaum sind es acht Tage,
da ich ihm geschrieben habe.  Sollte er das Ding in der kurzen Zeit
schon haben untersuchen knnen?  Von wem hast du denn den Brief
bekommen, Anton?

Anton.  Von Lisetten.

Chrysander.  Und Lisette?

Anton.  Von dem Brieftrger, ohne Zweifel.

Chrysander.  Aber warum bringt denn der Kerl die Briefe nicht mir
selbst?

Anton.  Sie werden sich doch in den Hnden, wodurch sie gehen, nicht
verndern knnen?

Chrysander.  Man wei nicht--Gleichwohl aber lassen sich die Grnde,
die er anfhrt, hren.  Ich mu also wohl den sichersten Weg nehmen
und dir, mein Sohn--Aber, ich glaube gar, du hast dich wieder an den
Tisch gesetzt und studierst?

Damis.  Mein Gott! ich habe zu tun, ich habe sogar viel zu tun.

Chrysander.  Drum mit einem Worte, damit ich dich nicht um die Zeit
bringe: die Heirat mit Julianen war nichts als ein Gedanke, den du
wieder vergessen kannst.  Wann ich es recht berlege, so hat doch
Valer das grte Recht auf sie.

Damis.  Sie betrgen sich, wenn Sie glauben, da ich nunmehr davon
abgehen werde.--Ich habe alles wohl berleget, und ich mu es Ihnen
nur mit ganz trocknen Worten sagen, da eine bse Frau mir helfen soll,
meinen Ruhm unsterblich zu machen; oder vielmehr, da ich eine bse
Frau, an die man nicht denken wrde, wann sie keinen Gelehrten gehabt
htte, mit mir zugleich unsterblich machen will.  Der Charakter eines
solchen Eheteufels wird auf den meinigen ein gewisses Licht werfen--

Chrysander.  Nun wohl, wohl; so nimm dir eine bse Frau; nur aber eine
mit Gelde, weil an einer solchen die Bosheit noch ertrglich ist.  Von
der Gattung war meine erste selige Frau.  Um die zwanzigtausend Taler,
die ich mit ihr bekam, htte ich des bsen Feindes Schwester heiraten
wollen--Du mut mich nur recht verstehen: ich meine es nicht nach den
Worten.--Wann sie aber bse sein soll, deine Frau, was willst du mit
Julianen?--Hre, ich kenne eine alte Witwe, die schon vier Mnner ins
Grab gezankt hat; sie hat ihr feines Auskommen: ich dchte, das wre
deine Sache; nimm die!  Ich habe dir das Maul einmal wrig gemacht,
ich mu dir also doch etwas darein geben.  Wann es einmal eine
Xanthippe sein soll, so kannst du keine bere finden.

Damis.  Mit Ihrer Xanthippe! ich habe es Ihnen ja schon mehr als
einmal gesagt, da Xanthippe keine bse Frau gewesen ist.  Haben Sie
meine Beweisgrnde schon wieder vergessen?

Chrysander.  Ei was? mein Beweis ist das Abc-Buch.  Wer so ein Buch
hat schreiben knnen, das so allgemein geworden ist, der mu es gewi
besser verstanden haben als du.  Und kurz, mir liegt daran, da
Xanthippe eine bse Frau gewesen ist.  Ich knnte mich nicht
zufriedengeben, wenn ich meine erste Frau so oft sollte gelobt haben.
Schweig also mit deinen Narrenspossen; ich mag von dir nicht besser
unterrichtet sein.

Damis.  So wird uns gedankt, wenn wir die Leute aus ihren Irrtmern
helfen wollen.

Chrysander.  Seit wenn ist denn das Ei klger als die Henne? he?  Herr
Doktor, verge Er nicht, da ich Vater bin und da es auf den Vater
ankmmt, wenn der Sohn heiraten soll.  Ich will an Julianen nicht mehr
gedacht wissen--

Damis.  Und warum nicht?

Chrysander.  Soll ich meinem einzigen Sohne ein armes Mdchen
aufhngen?  Du bist nicht wert, da ich fr dich so besorgt bin.  Du
weit ja, da sie nichts im Vermgen hat.

Damis.  Hatte sie vorhin, da ich sie heiraten sollte, mehr als jetzt?

Chrysander.  Das verstehst du nicht.  Ich wute wohl, was ich vorhin
tat: aber ich wei auch, was ich jetzt tue.

Damis.  Gut, desto besser ist es, wann sie kein Geld hat.  Man wird
mir also nicht nachreden knnen, die bse Frau des Geldes wegen
genommen zu haben; man wird es zugestehen mssen, da ich keine andere
Absicht gehabt als die, mich in den Tugenden zu ben, die bei
Erduldung eines solchen Weibes ntig sind.

Chrysander.  Eines solchen Weibes!  Wer hat dir denn gesagt, da
Juliane eine bse Frau werden wird?

Damis.  Wenn ich nicht, wie wir Gelehrten zu reden pflegen, a priori
davon berfhrt wre, so wrde ich es schon daraus schlieen knnen,
weil Sie daran zweifeln.

Chrysander.  Fein naseweis, mein Sohn! fein naseweis!  Ich habe
Julianen auferzogen; sie hat viel Wohltaten bei mir genossen; ich habe
ihr alles Gute beigebracht: wer von ihr bels spricht, der spricht es
zugleich von mir.  Was? ich sollte nicht ein Frauenzimmer zu ziehen
wissen?  Ich sollte ein Mdchen, das unter meiner Aufsicht gro
geworden ist, nicht so weit gebracht haben, da es einmal eine
rechtschaffne wackre Frau wrde?  Reich habe ich sie freilich nicht
machen knnen; ich bin der Wohltat selbst noch bentigt.  Aber da ich
sie nicht tugendhaft, nicht verstndig gemacht htte, das kann mir nur
einer nachreden, der so dumm ist als du, mein Sohn.  Nimm mir es nicht
bel, da ich mit der Sprache herausrcke.  Du bist so ein
eingemachter Narre, so ein Stockfisch--nimm mir's nicht bel, mein
Sohn--so ein berstudierter Pickelhering--aber nimm mir's nicht bel--

Damis (beiseite).  Bald sollte ich glauben, da sein erster Handel mit
eingesalznen Fischen gewesen sei.--Schon gut, Herr Vater; von
Julianens Tugend will ich nichts sagen; die Tugend ist oft eine Art
von Dummheit.  Aber was ihren Verstand anbelangt, von dem werden Sie
mir erlauben, da ich ihn noch immer in Zweifel ziehe.  Ich bin nun
schon eine ziemliche Zeit wieder hier; ich habe mir auch manchmal die
Mhe genommen, ein paar Worte mit ihr zu sprechen: hat sie aber wohl
jemals an meine Gelehrsamkeit gedacht?  Ich mag nicht gelobt sein; so
eitel bin ich nicht; nur mu man den Leuten ihr Recht widerfahren
lassen--




Fnfter Auftritt

Chrysander.  Damis.  Valer.


Chrysander.  Gut, gut, Herr Valer, Sie kommen gleich zur rechten
Stunde.

Damis.  Was will der unertrgliche Mensch wieder?

Valer.  Ich komme, Abschied von Ihnen beiden zu nehmen--

Chrysander.  Abschied? so zeitig? warum denn?

Valer.  Ich glaube nicht, da Sie im Ernste fragen.

Chrysander.  Gott wei es, Herr Valer; in dem allerernstlichstem
Ernste.  Ich lasse Sie wahrhaftig nicht.

Valer.  Um mich noch empfindlicher zu martern?  Sie wissen, wie lieb
mir die Person allezeit gewesen ist, die Sie mir heute entreien.
Doch das Unglck wre klein, wenn es mich nur allein trfe.  Sie
wollen noch dazu diese geliebte Person mit einem verbinden, der sie
ebenso sehr hat, als ich sie verehre?  Meine ganze Seele ist voller
Verzweiflung, und von nun an werde ich weder hier noch irgendswo in
der Welt wieder ruhig werden.  Ich gehe, um mich--

Chrysander.  Nicht gehen, Herr Valer, nicht gehen!  Dem bel ist
vielleicht noch abzuhelfen.

Valer.  Abzuhelfen?  Sie beschimpfen mich, wenn Sie glauben, da ich
jemals diesen Streich berwinden werde.  Er wrde fr ein minder
zrtliches Herz, als das meinige ist, tdlich sein.

Damis.  Was fr ein Gewsche!  (Setzt sich an seinen Tisch.)

Valer.  Wie glcklich sind Sie, Damis!  Lernen Sie wenigstens Ihr
Glck erkennen; es ist der geringste Dank, den Sie dem Himmel schuldig
sind.  Juliane wird die Ihrige--

Chrysander.  Ei, wer sagt denn das?  Sie soll noch zeitig genug die
Ihrige werden, Herr Valer, nur Geduld!

Valer.  Halten Sie inne mit Ihren kalten Verspottungen--

Chrysander.  Verspottungen?  Sie mssen mich schlecht kennen.  Was ich
sage, das sag ich.  Ich habe die Sache nun besser berlegt; ich sehe,
Juliane schickt sich fr meinen Sohn nicht und er sich noch viel
weniger fr Julianen.  Sie lieben sie; Sie haben lngst bei mir um sie
angehalten; wer am ersten kmmt, der mu am ersten mahlen.  Ich habe
eben mit meinem Sohne davon geredt--Sie kennen ihn ja--

Valer.  Himmel, was hr ich?  Ist es mglich? welche glckliche
Vernderung!  Erlauben Sie, da ich Sie tausendmal umfange.  Soll ich
also doch noch glcklich sein?  O Chrysander! o Damis!

Chrysander.  Reden Sie mit ihm und setzen Sie ihm den Kopf ein wenig
zurechte.  Ich will zu Julianen gehen und ihr meinen vernderten
Entschlu hinterbringen.  Sie wird mir es doch nicht belnehmen?

Valer.  bel?  Sie werden ihr das Leben wiedergeben, so wie Sie es
mir wiedergegeben haben.

Chrysander.  Ei, kann ich das?  (Geht ab.)




Sechster Auftritt

Damis.  Valer.  Anton.


Valer.  Und in welchem Tone soll ich nun mit Ihnen reden, liebster
Freund?  Das erneuerte Versprechen Ihres Vaters berechtigte mich, Sie
ganz und gar zu bergehen.  Ich habe gewonnen, sobald Chrysander
Julianen zu zwingen aufhrt.  Doch wie angenehm soll es mir sein, wann
ich ihren Besitz zum Teil auch Ihnen werde verdanken knnen.

Damis.  Anton!

Anton (kmmt).  Was soll der? ist Ihnen die Post wieder eingefallen?

Damis.  Gleich geh! sie mu notwendig da sein.

Anton.  Aber ich sage Ihnen, da sie bei so beln Wetter vor zehn Uhr
nicht kommen kann.

Damis.  Gibst du abermals eine Stunde zu?  Kurz, geh! und kmmst du
leer wieder, so sieh dich vor!

Anton.  Wenn ich diese Nacht nicht sanft schlafe, so glaube ich
zeitlebens nicht mehr, da die Mdigkeit etwas dazu helfen kann.
(Gehet ab.)




Siebenter Auftritt

Damis.  Valer.


Valer.  So? anstatt zu antworten, reden Sie mit dem Bedienten?

Damis.  Verzeihen Sie, Valer; Sie haben also mit mir gesprochen?  Ich
habe den Kopf so voll; es ist mir unmglich, auf alles zu hren.

Valer.  Und Sie wollen sich auch bei mir verstellen?  Ich wei die
Zeit noch sehr wohl, da ich in ebendem wunderbaren Wahne stand, es
liee gelehrt, so zerstreut als mglich und auf nichts als auf sein
Buch aufmerksam zu tun.  Doch glauben Sie nur, der mu sehr einfltig
sein, den Sie mit diesen Gaukeleien hintergehen wollen.

Damis.  Und Sie mssen noch einfltiger sein, da Sie glauben knnen,
ein jeder Kopf sei so gedankenleer als der Ihrige.  Und verdient denn
Ihr Geschwtz, da ich darauf hre?  Sie haben ja gewonnen, sobald
Chrysander Julianen zu zwingen aufhrt; Sie sind ja berechtiget, mich
zu bergehen--

Valer.  Das mu doch eine besondere Art der Zerstreuung sein, in
welcher man des andern Reden gleichwohl so genau hret, da man sie
von Wort zu Wort wiederholen kann.

Damis.  Ihre Sptterei ist sehr trocken.  (Sieht wieder auf sein Buch.)

Valer.  Doch aber zu empfinden?--Was fr eine Marter ist es, mit einem
Menschen von Ihrer Art zu tun zu haben?  Es gibt deren wenige--

Damis.  Das sollte ich selbst glauben.

Valer.  Es wrden sich aber mehrere finden, wenn selbst--

Damis.  Ganz recht; wenn die wahre Gelehrsamkeit nicht so schwer zu
erlangen, die natrliche Fhigkeit dazu gemeiner und ein unermdeter
Flei nicht so etwas Beschwerliches wren--

Valer.  Ha! ha! ha!

Damis.  Das Lachen eines wahren Idioten!

Valer.  Sie reden von Ihrer Gelehrsamkeit, und ich, mit Vergebung,
wollte von Ihrer Torheit reden.  Hierin, meinte ich, wrden Sie
mehrere Ihresgleichen finden, wenn selbst diese Torheit ihren Sklaven
nicht zur Last werden mte.

Damis.  Verdienen Sie also, da ich Ihnen antworte?  (Sieht wieder in
sein Buch.)

Valer.  Und verdienen Sie wohl, da ich noch Freundes genug bin, mit
Ihnen ohne Verstellung zu reden?  Glauben Sie mir, Sie werden Ihre
Torheiten bei mehreren Verstande bereuen--

Damis.  Bei mehreren Verstande?  (Spttisch.)

Valer.  Werden Sie darber ungehalten?  Das ist wunderbar!  Ihr Krper
kann, Ihren Jahren nach, noch nicht ausgewachsen haben, und Sie
glauben, da Ihre Seele gleichwohl schon zu ihrer mglichen
Vollkommenheit gelanget sei?  Ich wrde den fr meinen Feind halten,
welcher mir den Vorzug, tglich zu mehrerm Verstande zu kommen,
streitig machen wollte.

Damis.  Sie!

Valer.  Sie werden so spttisch, mein Herr Nebenbuhler--Doch da ist
sie selbst!  (Luft ihr entgegen.) Ah, Juliane--




Achter Auftritt

Juliane.  Damis.  Valer.


Juliane.  Ach, Valer, welche glckliche Vernderung!--

Damis (indem er sich auf dem Stuhle umwendet).  Die Ehre, Sie hier zu
sehen, Mademoiselle, habe ich ohne Zweifel einem Irrtume zu danken?
Sie glauben vielleicht, in Ihr Schlafzimmer zu kommen--

Juliane.  Dieser Irrtum wre unvergeblich!  Nein! mein Herr, es
geschieht auf Befehl Ihres Herrn Vaters, da ich diesen heiligen Ort
betrete.  Ich komme, Ihnen einen Kauf aufzusagen und mich bei Ihrer
Muse zu entschuldigen, da ich beinahe in die Gefahr gekommen wre,
ihr einen so liebenswrdigen Geist abspenstig zu machen.

Valer.  O wie entzckt bin ich, schnste Juliane, Sie auf einmal
wieder in Ihrer Heiterkeit zu sehen.

Damis.  Wenn ich das Gewsche eines Frauenzimmers recht verstehe, so
kommen Sie, ein Paktum aufzuheben, welches doch alle Requisita hat,
die zu einem unumstlichen Pakto erfordert werden.

Juliane.  Und wann ich das Galimathias eines jungen Gelehrten
verstehen darf, so haben Sie es getroffen.

Damis.  Mein Vater ist ein Idiote.  Kmmt es denn nur auf ihn oder auf
Sie, Mademoiselle, an, einen Vertrag, der an meinem Teil fest bestehet,
ungltig zu machen?--Es wird sich alles zeigen; nur wollte ich bitten,
mich jetzt ungestrt zu lassen--(Wendet sich wieder an den Tisch.)

Valer.  Was fr ein Bezeigen! hat man jemals einem Frauenzimmer, auf
dessen Besitz man Anspruch macht, so begegnet?

Damis.  Und ist man jemals einem beschftigten Gelehrten so berlstig
gewesen?  Diese verdrieliche Gesellschaft loszuwerden, mu ich nur
selbst meine vier Wnde verlassen.  (Geht ab.)




Neunter Auftritt

Valer.  Juliane.


Juliane.  Und wir lachen ihm nicht nach?

Valer.  Nein, Juliane; eine bessere Freude mag uns jetzt erfllen; und
beinahe gehrt eine Art von Grausamkeit dazu, sich ber einen so
klglichen Toren lustig zu machen.  Wie soll ich Ihnen die Regungen
meines Herzens beschreiben, jetzt, da man ihm alle seine
Glckseligkeit wiedergegeben hat?  Ich beschwre Sie, Juliane, wann
Sie mich lieben, so verlassen Sie noch heute mit mir dieses
gefhrliche Haus.  Setzen Sie sich nicht lnger der Ungestmigkeit
eines vernderlichen Alten, der Raserei eines jungen Pedanten und der
Schwche Ihrer eignen allzu zrtlichen Denkungsart aus.  Sie sind mir
in einem Tage genommen und wiedergegeben worden; lassen Sie ihn den
ersten und den letzten sein, der so grausam mit uns spielen darf!

Juliane.  Fassen Sie sich, Valer.  Wir wollen lieber nichts tun, was
uns einige Vorwrfe von Chrysandern zuziehen knnte.  Sie sehen, er
ist auf dem besten Wege, und ich liebe ihn ebensosehr, als ich den
Damis verachte.  Durch das Mitrauen, wodurch ich mich auf einmal
seiner Vorsorge entzge, wrde ich ihm fr seine Wohltaten schlecht
danken--

Valer.  Noch immer reden Sie von Wohltaten?  Ich werde nicht eher
ruhig, als bis ich Sie von diesen gefhrlichen Banden befreiet habe.
Erlauben Sie mir, da ich sie sogleich gnzlich vernichte und dem
alten Eigenntzigen--

Juliane.  Nennen Sie ihn anders, Valer; er ist das nicht; und schon
seine Vernderung zeigt es, da Lisette falsch gehrt oder uns
hintergangen hat.  Zwar wei ich nicht, wem ich diese Vernderung
zuschreiben soll--(Nachsinnend.)

Valer.  Warum auf einmal so in Gedanken?  Die Ursache, die ihn bewogen
hat, mag sein, welche es will; ich wei doch gewi, da es eine Fgung
des Himmels ist.

Juliane.  Des Himmels oder Lisettens.  Auf einmal fllt mir ein, was
Sie mir von einem Briefe gesagt haben.  Sollte wohl Lisettens allzu
groe Dienstfertigkeit--

Valer.  Welche Einbildung, liebste Juliane!  Sie wei es ja, da Ihre
Tugend in diesen kleinen Betrug nicht willigen wollen.

Juliane.  Gleichwohl, je mehr ich nachdenke--

Valer.  Wenn es nun auch wre, wollten Sie denn deswegen--

Juliane.  Wann es nun auch wre? wie?




Zehnter Auftritt

Lisette.  Valer.  Juliane.


Juliane.  Du kmmst als gerufen, Lisette.

Lisette.  Nun, gehen meine Sachen nicht vortrefflich?  Wollen Sie es
nicht unten mit anhren, wie sich Damis und Chrysander zanken?  "Du
sollst sie nicht bekommen; ich mu sie bekommen: ich bin Vater; Sie
haben mir sie versprochen: ich habe mich anders besonnen; ich aber
nicht: so mu es noch geschehen; das ist unmglich: unmglich oder
nicht; kurz, ich geh nicht ab, ich will es Ihnen aus Bchern beweisen,
da Sie mir Wort halten mssen: du kannst mit deinen Bchern an den
Galgen gehen."--Was wiederhole ich viel ihre nrrische Reden?  Der
Vater hat recht; er handelt klug: er wrde aber gewi nicht so klug
handeln, wenn ich nicht vorher so klug gewesen wre.

Juliane.  Wie verstehst du das, Lisette?

Lisette.  Ich lobe mich nicht gerne selbst.  Kurz, meine liebe Mamsell,
Ihr Schutzengel, der bin ich!

Juliane.  Der bist du? und wie denn?

Lisette.  Dadurch, da ich einen Betrger mit seiner Mnze bezahlt
habe.  Der alte hliche--

Juliane.  Und also hast du Chrysandern betrogen?

Lisette.  Ei, sagen Sie doch das nicht; einen Betrger betrgt man
nicht, sondern den hintergeht man nur.  Hintergangen hab ich ihn.

Valer.  Und wie?

Lisette.  Schlecht genug, da Sie es schon wieder vergessen haben.
Ich sollte meinen, erkenntlich zu sein, brauche man ein besser
Gedchtnis.

Juliane.  Du hast ihm also wohl gar den falschen Brief untergeschoben?

Lisette.  Behte Gott! ich habe ihn blo durch einen erdichteten Brief
auf andere Gedanken zu bringen gesucht; und das ist mir gelungen.

Juliane.  Das hast du getan?  Und ich sollte mein Glck einer
Betrgerin zu danken haben?  Es mag mir gehen, wie es will; Chrysander
soll es den Augenblick erfahren--

Lisette.  Was soll denn das heien?  Ist das mein Dank?

Valer.  Besinnen Sie sich, Juliane; verziehen Sie!

Juliane.  Unmglich, Valer; lassen Sie mich.  (Juliane geht ab.)




Eilfter Auftritt

Valer.  Lisette.


Valer.  Himmel, nun ist alles wieder aus!

Lisette.  So mag sie es haben!  Gift und Galle mchte ich speien, so
toll bin ich!  Fr meinen guten Willen mich eine Betrgerin zu heien?
Ich hoffte, sie wrde mir vor Freuden um den Hals fallen.--Wie wird
der Alte auf mich losziehen!  Er jagt mich und Sie zum Hause heraus.
Was wollen Sie nun anfangen?

Valer.  Ja, was soll ich nun anfangen, Lisette?

Lisette.  Ich glaube, Sie antworten mir mit meiner eignen Frage?  Das
ist bequem.  Mein guter Rat hat ein Ende.  Ich will mich bald wieder
in so etwas mengen!

Valer.  Zu was fr einer ungelegnen Zeit kamst du aber auch, Lisette?
Ich hatte dir es gesagt, da Juliane in diesen Streich nicht willigen
wollte.  Httest du nicht noch einige Zeit schweigen knnen?

Lisette.  Konnte ich denn vermuten, da sie so bertrieben eigensinnig
sein wrde?  Sie knnen sich leicht einbilden, wie es mit unsereiner
ist: ich htte nicht wieviel nehmen und es gegen sie lnger verbergen
wollen, wem sie ihr Glck zu danken habe.  Die Freude ist schwatzhaft,
und--Ach, ich mchte gleich--




Zwlfter Auftritt

Anton.  Valer.  Lisette.


Anton (mit Briefen in der Hand).  Ha! ha! haltet ihr wieder Konferenz!
Wenn es mein Herr wte, da in seiner eignen Stube die schlimmsten
Anschlge wider ihn geschmiedet werden, er wrde dich, Lisette--Aber,
wie steht ihr denn da beisammen?  Herr Valer scheint betrbt: du bist
erhitzt, erhitzt wie ein Zinshahn.  Habt ihr euch geschlagen, oder
habt ihr euch sonst eine Motion gemacht?  Ei, ei, Lisette!
hre--(sachte zu Lisetten) du hast dich doch der Ausstattung wegen mit
ihm nicht berworfen?  Hat er sein Wort etwa zurckgezogen?  Das wre
ein verfluchter Streich.  (Laut.) Nein, nein, Herr Valer, was man
verspricht, das mu man halten.  Sie hat Ihnen redlich gedienet und
ich auch.  Zum Henker! glauben Sie denn, da es einmal einer ehrlichen
Seele keine Gewissensbisse verursachen mu, wenn sie ihre Herrschaft
fr null und nichts betrogen hat?  Ich lasse mich nicht vexieren; und
meine Forderung wenigstens--Hol' mich dieser und jener! ich nehm einen
Advokaten an, einen rechten Bullenbeier von einem Advokaten, der
Ihnen gewi so viel soll zu schaffen machen--

Lisette.  Ach Narre, schweig!

Valer.  Was will er denn?  Mit wem sprichst du denn?

Anton.  Potz Stern! mit unserm Schuldmanne sprech ich.  Das knnen Sie
ja wohl am Tone hren.

Valer.  Wer ist denn dein Schuldmann?

Anton.  Kommt es nun da heraus, da Sie die Schuld leugnen wollen?
Hren Sie: mein Advokat bringt Sie zum Schwur--

Valer.  Lisette, weit denn du, was er will?

Lisette.  Der Schwrmer! ich brauchte ihn vorhin zu berbringung des
Briefes und versprach ihm, wenn die Sache gut ausfallen sollte, eine
Belohnung von Ihnen.

Valer.  Weiter ist es nichts?

Anton.  Ich dchte doch, das wre genug.  Und wie hlt es denn mit
Lisettens Ausstattung?  Ich mu mich um ihr Vermgen so gut als um das
meinige bekmmern, weil es doch meine werden soll.

Valer.  Seid unbesorgt; wenn ich mein Glck mache, so will ich das
eurige gewi nicht vergessen.

Anton.  Gesetzt aber, Sie machten es nicht?  Und was versprochen ist,
ist doch versprochen.

Valer.  Auch alsdenn will ich euern Eifer nicht unbelohnt lassen.

Anton.  Ach, das sind Komplimente, Komplimente!

Lisette.  So hr einmal auf!

Anton.  Bist du nicht eine Nrrin; ich rede ja fr dich mit.

Lisette.  Es ist aber ganz unntig.

Anton.  Unntig? habt ihr euch denn nicht gezankt?

Lisette.  Warum nicht gar?

Anton.  Hat er sein Versprechen nicht zurckgezogen?

Lisette.  Nein doch.

Anton.  O so verzeihen Sie mir, Herr Valer.  Die Galle kann einem
ehrlichen Manne leicht berlaufen.  Ich bin ein wenig hitzig, zumal in
Geldsachen.  Frchten Sie sich fr den Advokaten nur nicht--

Valer.  Und ich kann in einer so marternden Ungewiheit hier noch
verziehen?  Ich mu sie sprechen; vielleicht hat sie es noch nicht
getan--

Lisette.  Hat sie es aber getan, so kommen Sie dem Alten ja nicht zu
nahe!

Valer.  Ich habe von dem ganzen Handel nichts gewut.

Lisette.  Desto schlimmer alsdenn fr mich.  Gehen Sie nur.




Dreizehnter Auftritt

Anton.  Lisette.


Anton.  Desto schlimmer fr dich?  Was ist denn desto schlimmer fr
dich?  Warum soll er denn dem Alten nicht zu nahe kommen?  Was habt
ihr denn wieder!

Lisette.  Je, der verfluchte Brief!

Anton.  Was fr ein Brief?

Lisette.  Den ich dir vorhin gab.

Anton.  Was ist denn mit dem?

Lisette.  Es ist alles umsonst; meine Mhe ist vergebens.

Anton.  Wie denn so?  So wahr ich lebe, ich habe ihn richtig bestellt.
Mache keine Possen und schiebe die Schuld etwa auf mich!

Lisette.  Richtig bergeben ist er wohl; er tat auch schon seine
Wirkung.  Aber Juliane hat uns selbst einen Strich durch die Rechnung
gemacht.  Sie will es durchaus entdecken, da es ein falscher Brief
gewesen sei, und hat es vielleicht auch schon getan.

Anton.  Was zum Henker, sie selbst?  Da werden wir ankommen!  Siehst
du; nun ist der Sperling und die Taube weg. Und was das schlimmste ist:
da ich die Taube habe fangen wollen, so bin ich darber mit der Nase
ins Weiche gefallen.  Oder deutlicher und ohne Gleichnis mit dir zu
reden: die versprochene Belohnung bei dem Alten hab ich verloren, die
eingebildete bei Valeren entgeht mir auch, und aller Profit, den ich
dabei machen werde, ist, nebst einem gndigen Rippenstoe, ein Pack
dich zum Teufel!--Will Sie mich alsdenn noch, Jungfer Lisette?--Oh,
Sie mu mich.  Ich will Sie die Leute lehren unglcklich machen--

Lisette.  Es wird mir gewi besser gehen?  Wir wandern miteinander,
und wenn wir nur einmal ein Paar sind, so magst du sehen, wie du mich
ernhrest.

Anton.  Ich dich ernhren? bei der teuren Zeit?  Wenn ich noch knnte
mit dir herumziehen, wie der mit dem groen Tiere, das ein Horn auf
der Nase hat.

Lisette.  Sorge nicht, in ein Tier mit einem Horne will ich dich bald
verwandeln.  Es wird alsdenn doch wohl einerlei sein, ob du mit mir
oder ich mit dir herumziehe.

Anton.  Nu wahrhaftig, mit dir wei man doch noch, woran man ist.
--Aber, damit wir nicht eins ins andre reden, wo ist denn nun mein
Herr?  Da sind endlich seine verdammten Briefe!

Lisette.  Siehst du ihn?

Anton.  Nein; aber wo mir recht ist, jetzt hr ich ihn.

Lisette.  La ihn nur kommen; toll will ich ihn noch machen, zu guter
Letzt.




Vierzehnter Auftritt


Anton.  Lisette.  Damis (kmmt ganz tiefsinnig; Lisette schleicht
hinter ihm her und macht seine Grimassen nach).

Anton.  Halt! ich will ihn noch ein wenig zappeln lassen und ihm die
Briefe nicht gleich geben.  (Steckt sie ein.) Wie so tiefsinnig, Herr
Damis? was steckt Ihnen wieder im Kopfe?

Damis.  Halt dein Maul!

Anton.  Kurz geantwortet!  Aber soll sich denn ein Bedienter nicht um
seinen Herrn bekmmern?  Es wre doch ganz billig, wann ich auch wte,
worauf Sie dchten.  Eine blinde Henne findet auch manchmal ein
Krnchen, und vielleicht knnte ich Ihnen--

Damis.  Schweig!

Anton.  Die Antwort war noch krzer.  Wenn sie stufenweise so abnimmt,
so will ich einmal sehen, was brigbleiben wird.--Was zhlen Sie denn
an den Fingern?  Was hat Ihnen denn der arme Nagel getan, da Sie ihn
so zerreien?  (Er wird Lisetten gewahr.)--Und, zum Henker, was ist
denn das fr ein Affe?  Kmmst du von Sinnen?

Lisette.  Halt dein Maul!

Anton.  Um des Himmels willen geh!  Wann mein Herr aus seinem Schlafe
erwacht und dich sieht--

Lisette.  Schweig!

Anton.  Willst du mich oder meinen Herrn zum besten haben?  So sehen
Sie doch einmal hinter sich, Herr Damis!

Damis (geht einigemal tiefsinnig auf und nieder; Lisette in gleichen
Stellungen hinter ihm her; und wann er sich umwendet, schleicht sie
sich hurtig herum, da er sie nicht gewahr wird).  Meiner
Hochzeitfackel Brand Sei von mir jetzt selbst gesungen!


Anton.  Ho! ho!  Sie machen Verse?  Komm, Lisette, nun mssen wir ihn
allein lassen.  Bei solcher Gelegenheit hat er mich selbst schon, mehr
als einmal, aus der Stube gestoen.  Komm nur; er ruft uns gewi
selbst wieder, sobald er fertig ist, und vielleicht das ganze Haus
dazu.

Lisette (indem sich Damis umwendet, bleibt sie starr vor ihm stehen
und nimmt seinen Ton an).  Meiner Hochzeitfackel Brand Sei von mir
jetzt selbst gesungen!


(Damis tut, als ob er sie nicht gewahr wrde, und stt auf sie.)

Damis.  Was ist das?

Lisette.  Was ist das?

(Beide, als ob sie zu sich selbst kmen.)

Damis.  Unwissender, niedertrchtiger Kerl! habe ich dir nicht oft
genug gesagt, keine Seele in meine Stube zu lassen als aufs hchste
meinen Vater?  Was will denn die hier?

Lisette.  Unwissender, niedertrchtiger Kerl! hast du mir es nicht oft
genug gesagt, da ich mich aus der Stube fortmachen soll?  Kannst du
dir denn aber nicht einbilden, da die, welche im Kabinette hat sein
drfen, auch Erlaubnis haben werde, in der Stube zu sein?  Unwissender,
niedertrchtiger Kerl!

Anton.  Wem soll ich nun antworten?

Damis.  Gleich stoe sie zur Stube hinaus!

Anton.  Stoen? mit Gewalt?

Damis.  Wenn sie nicht in gutem gehen will--

Anton.  Lisette, geh immer in gutem--

Lisette.  Sobald es mir gelegen sein wird.

Damis.  Sto sie heraus, sag ich!

Anton.  Komm, Lisette, gib mir die Hand; ich will dich ganz ehrbar
herausfhren.

Lisette.  Grobian, wer wird denn ein Frauenzimmer mit der bloen Hand
fhren wollen?

Anton.  O ich wei auch zu leben!--In Ermanglung eines Handschuhs
also--(er nimmt den Zipfel von der Weste)--werde ich die Ehre haben--

Damis.  Ich seh wohl, ich soll mich selbst ber sie machen--(Geht auf
sie los.)

Lisette.  Ha! ha! ha! so weit wollte ich Sie nur gern bringen.  Adieu!




Funfzehnter Auftritt

Anton.  Damis.


Damis.  Nun sind alle Gedanken wieder fort!  Das Feuer ist verraucht;
die Einbildungskraft ist zerstreut.  Der Gott, der uns begeistern mu,
hat mich verlassen--Verdammte Kreatur! was fr Verdru hat sie mir
heute nicht schon gemacht! wie spttisch ist sie mit mir umgegangen!
Himmel! in meiner Tiefsinnigkeit mir alles so lcherlich nachzuffen.

Anton.  Sie sahen es ja aber nicht.

Damis.  Ich sah es nicht?

Anton.  Ja? ist's mglich? und Sie stellten sich nur so?

Damis.  Schweig, Idiote!--Ich will sehen, ob ich mich wieder in die
Entzckung setzen kann--

Anton.  Tun Sie das lieber nicht; die Verse knnen unmglich geraten,
wobei man so finster aussieht.--Darf man aber nicht wissen, was es
werden wird? ein Abendlied oder ein Morgenlied?

Damis.  Dummkopf!

Anton.  Ein Bulied?

Damis.  Einfaltspinsel!

Anton.  Ein Tischlied? auch nicht?--Ein Sterbelied werden Sie doch
nicht machen?  So wahr ich ehrlich bin, wenn ich auch noch so ein
groer Poet wre, das bliebe von mir ungemacht.  Sterben ist der
abgeschmackteste Streich, den man sich selbst spielt.  Er verdient
nicht einen Vers, geschweige ein Lied.

Damis.  Ich mu Mitleiden mit deiner Unwissenheit haben.  Du kennst
keine andre Arten von Gedichten, als die du im Gesangbuche gefunden
hast.

Anton.  Es wird gewi noch andre geben?  So lassen Sie doch hren, was
Sie machen.

Damis.  Ich mache--ein Epithalamium--

Anton.  Ein Epithalamium?  Potz Stern, das ist ein schwer Ding!  Damit
knnen Sie wirklich zurechte kommen?  Da gehrt Kunst dazu--Aber, Herr
Damis, im Vertrauen, was ist denn das ein Epith--pitha--thlamium?

Damis.  Wie kannst du es denn schwer nennen, wenn du noch nicht weit,
was es ist?

Anton.  Ei nun, das Wort ist ja schon schwer genug.  Sagen Sie mir nur
ein wenig mit einem andern Namen, was es ist.

Damis.  Ein Epithalamium ist ein Thalassio.

Anton.  So, so! nun versteh ich's; ein Epithalamium ist ein--wie hie
es?--

Damis.  Thalassio.

Anton.  Ein Thalassio; und das knnen Sie machen?  Wenigstens werden
Sie viel Zeit dazu brauchen--Aber, hren Sie doch, wenn mich nun
jemand fragt, was ein Thalassio ist, was mu ich ihm wohl antworten?

Damis.  Auch das weit du nicht, was ein Thalassio ist?

Anton.  Ich fr mein Teil wei es wohl.  Ein Thalassio ist ein--wie
hie das vorige Wort?

Damis.  Epithalamium.

Anton.  Ist ein Epithalamium.  Und ein Epithalamium ist ein Thalassio.
Nicht wahr, ich habe es gut behalten?  Aber das mchte nur andern
Leuten nicht deutlich sein, welche beide Worte nicht verstehen.

Damis.  Je nun, so sage ihnen, Thalassio sei ein Hymenaeus.

Anton.  Zum Henker! das heit Leute vexieren.  Ein Epithalamium ist
ein Thalassio, und ein Thalassio ist ein Hymenaeus.  Und so umgekehrt,
ein Hym--Hym--Die Namen mag sonst einer merken!

Damis.  Recht! recht! ich sehe doch, da du anfngst einen Begriff von
Sachen zu bekommen.

Anton.  Ich einen Begriff hiervon? so wahr ich ehrlich bin!  Sie irren
sich.  Der Kobold mte mir's eingeblasen haben, wenn ich wte, was
die kauderwelschen Worte heien sollen.  Sagen Sie mir doch ihren
deutschen Namen; oder haben sie keinen?

Damis.  Sie haben zwar einen, allein er ist lange nicht von der
Annehmlichkeit und dem Nachdrucke der griechischen oder lateinischen.
Sage einmal selbst, ob ein Hochzeitgedichte nicht viel kahler klingt
als ein Epithalamium, ein Hymenaeus, ein Thalassio.

Anton.  Mir nicht; wahrhaftig mir nicht! denn jenes versteh ich und
dieses nicht.  Ein Hochzeitgedichte haben Sie also machen wollen?
Warum sagten Sie das nicht gleich?--Oh! in Hochzeitgedichten habe ich.
eine Belesenheit, die erstaunend ist.  Ich mu Ihnen nur sagen, wie
ich dazu gekommen bin.  Mein weiland seliger Vater hatte einen
Vetter--und gewissermaen war es also auch mein Vetter--

Damis.  Was wird das fr ein Gewsche werden?

Anton.  Sie wollen es nicht abwarten?  Gut!  Der Schade ist Ihre.
--Weiter also: Verse auf eine Hochzeit wollten Sie machen? aber auf
was denn fr eine?

Damis.  Welche Frage! auf meine eigne.

Anton.  Sie heiraten also Julianen noch?  Der Alte will es ja nicht?--

Damis.  Ah der!

Anton.  Es ist schon wahr; was hat sich ein Sohn um den Vater zu
bekmmern?  Aber sagen Sie mir doch: schickt es sich denn, da man auf
seine eigne Hochzeit Verse macht?

Damis.  Gewhnlich ist es freilich nicht; aber desto besser!  Geister
wie ich lieben das Besondre.

Anton (beiseite).  St! jetzt will ich ihm einen Streich spielen!
--(Laut.) Hren Sie nur, Herr Damis, ich werde es selbst gern sehen,
wenn Sie Julianen heiraten.

Damis.  Wieso?

Anton.  Ich wei nicht, ob ich mich unterstehen darf, es Ihnen zu
sagen.  Ich habe--ich habe selbst--

Damis.  Nur heraus mit der Sprache!

Anton.  Ich habe selbst versucht, Verse auf Ihre Hochzeit zu machen,
und deswegen wollte ich nun nicht gern, da meine Mhe verloren wre.

Damis.  Das wird etwas Schnes sein!

Anton.  Freilich! denn das ist mein Fehler; ich mache entweder etwas
Rechtes oder gar nichts.

Damis.  Gib doch her! vielleicht kann ich deine Reime verbessern, da
sie alsdenn mir und dir Ehre machen.

Anton.  Hren Sie nur, ich will sie Ihnen vorlesen.  (Er sucht einen
Zettel aus der Tasche.) Ganz bin ich noch nicht fertig, mu ich Ihnen
sagen.  Der Anfang aber, aus dem auch allenfalls das Ende werden kann,
klingt so--Rcken Sie mir doch das Licht ein wenig nher!--Du, o edle
Fertigkeit, Zu den vorgesetzten Zwecken Tcht'ge Mittel--

Damis.  Halt! du bist ein elender Stmper!  Ha! ha! ha!  Das du o
steht ganz vergebens.  Edle Fertigkeit sagt nichts weniger, und Du, o
edle Fertigkeit nichts mehr.  Deleatur ergo du o!  Damit aber nicht
zwei Silben fehlen, so verstrke das Beiwort edel, nach Art der
Griechen, und sage beredel.  Ich wei zwar wohl, beredel ist ein
neues Wort; aber ich wei auch, da neue Wrter dasjenige sind, was
die Poesie am meisten von der Prose unterscheiden mu.  Solche
Vorteilchen merke dir!  Du mut dich durchaus bestreben, etwas
Unerhrtes, etwas Ungesagtes zu sagen.  Verstehst du mich, dummer
Teufel?

Anton.  Ich will es hoffen.

Damis.  Also heit dein erster Vers

beredle Fertigkeit


usw.  Nun lies weiter!

Anton.  Zu den vorgesetzten Zwecken Tcht'ge Mittel zu entdecken Und
sich dann zur rechten Zeit Ihrer Krfte zu bedienen, Wirst, so lange,
bis die Welt In ihr erstes Cha- Cha- Chaos fllt, Wie die Pappelbume
grnen.


Aber, Herr Damis, knnen Sie mir nicht sagen, was ich hier mu gedacht
haben?  Verflucht! das ist schn; ich verstehe mich selbst nicht mehr.
Das erste Cha--Chaos;--ich dchte, ich htte das Wort noch nie in
meinen Mund genommen, so frchterlich klingt es mir.

Damis.  Zeige doch--

Anton.  Warten Sie, warten Sie! ich will es Ihnen noch einmal vorlesen.

Damis.  Nein, nein; weise mir nur den Zettel her.

Anton.  Sie knnen es unmglich lesen.  Ich habe gar zu schlecht
geschrieben; kein Buchstabe steht gerade; sie hocken einer auf den
andern, als ob sie Junge hecken wollten.

Damis.  O so gib her!

Anton (gibt ihm den Zettel mit Zittern).  Zum Henker, es ist seine
eigne Hand!

Damis (betrachtet ihn einige Zeit).  Was soll das heien?  (Steht
zornig auf.) Verfluchter Verrter, wo hast du dieses Blatt her?

Anton.  Nicht so zornig; nicht so zornig!

Damis.  Wo hast du es her?

Anton.  Wollen Sie mich denn erwrgen?

Damis.  Wo hast du das Blatt her, frag ich?

Anton.  Lassen Sie nur erst nach.

Damis.  Gesteh!

Anton.  Aus--aus Ihrer--Westentasche.

Damis.  Ungelehrte Bestie! ist das deine Treue?  Das ist ein Diebstahl;
ein Plagium.

Anton.  Zum Henker! des Quarks wegen mich zu einem Diebe zu machen?

Damis.  Des Quarks wegen? was? den Anfang eines philosophischen
Lehrgedichts einen Quark zu nennen?

Anton.  Sie sagten ja selbst, es tauge nichts.

Damis.  Ja, insofern es ein Hochzeitkarmen vorstellen sollte und du
der Verfasser davon wrest.  Gleich schaffe die andern Manuskripte,
die du mir sonst entwandt hast, auch herbei!  Soll ich meine Arbeit in
fremden Hnden sehen?  Soll ich zugeben, da sich eine hliche Dohle
mit meinen prchtigen Pfauenfedern ausschmcke?  Mach bald! oder ich
werde andre Maregeln ergreifen.

Anton.  Was wollen Sie denn?  Ich habe nicht einen Buchstaben mehr von
Ihnen.

Damis.  Gleich wende alle Taschen um!

Anton.  Warum auch nicht?  Wenn ich sie umwende, so fllt ja alles
heraus, was ich darin habe.

Damis.  Mach und erzrne mich nicht!

Anton.  Ich will ein Schelm sein, wenn Sie nur ein Stubchen Papier
bei mir finden.  Damit Sie aber doch Ihren Willen haben;--hier ist die
eine; da ist die andre--Was sehen Sie?--Da ist die dritte; die ist
auch leer.--Nun kommt die vierte--(Indem er sie umwendet, fallen die
Briefe heraus.)--Zum Henker, die verfluchten Briefe! die hatte ich
ganz vergessen--(Er will sie geschwind wieder aufheben.)

Damis.  Gib her, gib her! was fiel da heraus?  Ganz gewi wird es
wieder etwas von mir sein.

Anton.  So wahr ich lebe, es ist nichts von Ihnen.  An Sie knnte es
eher noch etwas sein.

Damis.  Halte mich nicht auf; ich habe mehr zu tun.

Anton.  Halten Sie mich nur nicht auf.  Sie wissen ja, da ich nun
bald wieder auf die Post gehen mu.  Ich wei, es sind Briefe da.

Damis.  Nun so geh, so geh!  Aber durchaus zeige mir erst, was du so
eilfertig aufhobst.  Ich mu es sehen.

Anton.  Zum Henker! wenn das ist, so brauche ich nicht auf die Post zu
gehen.

Damis.  Wieso?

Anton.  Nu, nu! da haben Sie es.  Ich will hurtig gehen.  (Er gibt ihm
den Brief und will fortlaufen.)

Damis (indem er ihn besieht).  Je, Anton, Anton! das ist ja eben der
Brief aus Berlin, welchen ich erwarte.  Ich kenn ihn an der Aufschrift.

Anton.  Es kann wohl sein, da er es ist.  Aber, Herr Damis, werden
Sie nur--nur nicht ungehalten.  Ich hatte es, bei meiner armen Seele!
ganz vergessen--

Damis.  Was hast du denn vergessen?

Anton.  Da ich den Brief, beinahe schon eine halbe Stunde, in der
Tasche trage.  Mit dem verdammten Plaudern!--

Damis.  Weil er nun da ist, so will ich dir den dummen Streich
verzeihen.--Aber, allerliebster Anton, was mssen hierin fr
unvergleichliche, fr unschtzbare Nachrichten stehen!  Wie wird sich
mein Vater freuen!  Was fr Ehre, was fr Lobsprche!--O Anton!--ich
will dir ihn gleich vorlesen--(Bricht ihn hastig auf.)

Anton.  Nur sachte, sonst zerreien Sie ihn gar.  Nun da! sagte ich's
nicht?

Damis.  Es schadet nichts; er wird doch noch zu lesen sein.--Vor allen
Dingen mu ich dir sagen, was er betrifft.  Du weit, oder vielmehr du
weit nicht, da die Preuische Akademie auf die beste Untersuchung
der Lehre von den Monaden einen Preis gesetzt hat.  Es kam mir noch
ganz spt ein, unsern Philosophen diesen Preis vor dem Maule
wegzufangen.  Ich machte mich also geschwind darber und schrieb eine
Abhandlung, die noch gleich zur rechten Zeit mu gekommen sein.--Eine
Abhandlung, Anton--ich wei selbst nicht, wo ich sie hergenommen habe,
so gelehrt ist sie.  Nun hat die Akademie vor acht Tagen ihr Urteil
ber die eingeschickten Schriften bekanntgemacht, welches notwendig zu
meiner Ehre mu ausgefallen sein.  Ich, ich mu den Preis haben und
kein andrer.  Ich habe es einem von meinen Freunden daselbst heilig
eingebunden, mir sogleich Nachricht davon zu geben.  Hier ist sie; nun
hre zu.

"Mein Herr,

"Wie nahe knnen Sie einem Freunde das Antworten legen!  Sie drohen mir
mit dem Verluste Ihrer Liebe, wenn Sie nicht von mir die erste
Nachricht erhielten, ob Sie oder ein anderer den akademischen Preis
davongetragen htten.  Ich mu Ihnen also in aller Eil' melden, da
Sie ihn nicht--(stotternd) bekommen haben und auch--(immer
furchtsamer) nicht haben--bekommen knnen.--"

Was? ich nicht? und wer denn? und warum denn nicht?--

"Erlauben Sie mir aber, da ich als ein Freund mit Ihnen reden darf."

So rede, Verrter!

"Ich habe Ihnen unmglich den schlimmen Dienst erweisen knnen, Ihre
Abhandlung zu bergeben.--"

Du hast sie also nicht bergeben, Treuloser?  Himmel, was fr ein
Donnerschlag!--So soll mich deine Nachlssigkeit, unwrdiger Freund,
um die verdienteste Belohnung bringen?--Wie wird er sich entschuldigen,
der Nichtswrdige?

"Wenn ich es frei gestehen soll, so scheinen Sie etwas ganz anders
getan zu haben, als die Akademie verlangt hat.  Sie wollte nicht
untersucht wissen, was das Wort Monas grammatikalisch bedeute? wer es
zuerst gebraucht habe? was es bei dem Xenokrates anzeige? ob die
Monaden des Pythagoras die Atomi des Moschus gewesen? usw.  Was ist
ihr an diesen kritischen Kleinigkeiten gelegen, und besonders alsdann,
wann die Hauptsache dabei aus den Augen gesetzt wird?  Wie leicht
htte man Ihren Namen mutmaen knnen, und Sie wrden vielleicht
Spttereien sein ausgesetzt worden, dergleichen ich nur vor wenig
Tagen in einer gelehrten Zeitung ber Sie gefunden habe.--"

Was lese ich? kann ich meinen Augen trauen?  Ah, verfluchtes Papier!
verfluchte Hand, die dich schrieb!  (Wirft den Brief auf die Erde und
tritt mit den Fen darauf.)

Anton.  Der arme Brief! man mu ihn doch vollends auslesen!  (Hebt ihn
auf.) Das Beste kmmt vielleicht noch, Herr Damis.  Wo blieben Sie?
Da, da! hren Sie nur!

"... gelehrten Zeitung gefunden habe.--Man nennt Sie ein junges
Gelehrtchen, welches berall gern glnzen mchte und dessen
Schreibesucht--"

Damis (reit ihm den Brief aus der Hand).  Verdammter Korrespondent!
--Das ist der Lohn, den dein Brief verdient!  (Er zerreit ihn.) Du
zerreiest mein Herz, und ich zerreie deine unverschmte Neuigkeiten.
Wollte Gott, da ich ein gleiches mit deinem Eingeweide tun knnte!
Aber--(zu Anton) du nichtswrdige, unwissende Bestie!  An alledem bist
du schuld!

Anton.  Ich, Herr Damis?

Damis.  Ja du! wie lange hast du nicht den Brief in der Tasche
behalten?

Anton.  Herr, meine Tasche kann weder schreiben noch lesen: wenn Sie
etwa denken, da ihn die anders gemacht hat--

Damis.  Schweig!  Und solche Beschimpfungen kann ich berleben?--O ihr
dummen Deutschen! ja freilich, solche Werke, als die meinigen sind,
gehrig zu schtzen, dazu werden andre Genies erfordert!  Ihr werdet
ewig in eurer barbarischen Finsternis bleiben und ein Spott eurer
witzigen Nachbarn sein!--Ich aber will mich an euch rchen und von nun
an aufhren, ein Deutscher zu heien.  Ich will mein undankbares
Vaterland verlassen.  Vater, Anverwandte und Freunde, alle, alle
verdienen es nicht, da ich sie lnger kenne, weil sie Deutsche sind;
weil sie aus dem Volke sind, das ihre grten Geister mit Gewalt von
sich ausstt.  Ich wei gewi, Frankreich und Engeland werden meine
Verdienste erkennen--

Anton.  Herr Damis, Herr Damis, Sie fangen an zu rasen.  Ich bin nicht
sicher bei Ihnen; ich werde jemand rufen mssen.

Damis.  Sie werden es schon empfinden, die dummen Deutschen, was sie
an mir verloren haben!  Morgen will ich Anstalt machen, dieses
unselige Land zu verlassen--




Sechzehnter Auftritt

Chrysander.  Damis.  Anton.


Anton.  Gott sei Dank, da jemand kmmt!

Chrysander.  Das verzweifelte Mdel, die Lisette!  Und (zu Anton) du,
du Spitzbube! du sollst dein Brieftrgerlohn auch bekommen, Mich so zu
hintergehen? schon gut!--Mein Sohn, ich habe mich besonnen; du hast
recht; ich kann dir Julianen nun nicht wieder nehmen.  Du sollst sie
behalten.

Damis.  Schon wieder Juliane?  Jetzt, da ich ganz andre Dinge zu
beschlieen habe--Hren Sie nur auf damit; ich mag sie nicht.

Chrysander.  Es wrde unrecht sein, wenn ich dir lnger widerstehen
wollte.  Ich lasse jedem seine Freiheit; und ich sehe wohl, Juliane
gefllt dir--

Damis.  Mir? eine dumme Deutsche?

Chrysander.  Sie ist ein hbsches, tugendhaftes, aufrichtiges Mdchen;
sie wird dir tausend Vergngen machen.

Damis.  Sie mgen sie loben oder schelten; mir gilt alles gleich.  Ich
wei mich nach Ihrem Willen zu richten, und dieser ist, nicht an sie
zu gedenken.

Chrysander.  Nein, nein; du sollst dich ber meine Hrte nicht
beklagen drfen.

Damis.  Und Sie sich noch weniger ber meinen Ungehorsam.

Chrysander.  Ich will dir zeigen, da du einen gtigen Vater hast, der
sich mehr nach deinem als nach seinem eignen Willen richtet.

Damis.  Und ich will Ihnen zeigen, da Sie einen Sohn haben, der Ihnen
in allen die schuldige Untertnigkeit leistet.

Chrysander.  Ja, ja; nimm Julianen!  Ich gebe dir meinen Segen.

Damis.  Nein, nein; ich werde Sie nicht so erzrnen--

Chrysander.  Aber was soll denn das Widersprechen?  Dadurch erzrnst
du mich!

Damis.  Ich will doch nicht glauben, da Sie sich im Ernste schon zum
drittenmal anders besonnen haben?

Chrysander.  Und warum das nicht?

Damis.  Oh, dem sei nun, wie ihm wolle!  Ich habe mich gleichfalls
gendert und fest entschlossen, ganz und gar nicht zu heiraten.  Ich
mu auf Reisen gehen, und ich werde mich, je eher, je lieber,
davonmachen.

Chrysander.  Was? du willst ohne meine Erlaubnis in die Welt laufen?

Anton.  Das geht lustig!  Der dritte Mann fehlt noch, und den will ich
gleich holen.  Damis will Julianen nicht, vielleicht fischt sie Valer.
(Gehet ab.)




Siebzehnter Auftritt

Chrysander.  Damis.


Damis.  Ja, ja; in zweimal vierundzwanzig Stunden mu ich schon
unterwegens sein.

Chrysander.  Aber was ist dir denn in den Kopf gekommen?

Damis.  Ich bin es lngst berdrssig gewesen, lnger in Deutschland
zu bleiben; in diesem nordischen Sitze der Grobheit und Dummheit; wo
es alle Elemente verwehren, klug zu sein; wo kaum alle hundert Jahr
ein Geist meinesgleichen geboren wird--

Chrysander.  Hast du vergessen, da Deutschland dein Vaterland ist?

Damis.  Was Vaterland!

Chrysander.  Du Bsewicht, sprich doch lieber gar: was Vater!  Aber
ich will dir es zeigen: du mut Julianen nehmen; du hast ihr dein Wort
gegeben und sie dir das ihrige.

Damis.  Sie hat das ihrige zurckgenommen wie ich jetzt das meinige;
also--

Chrysander.  Also!--also!--Kurz von der Sache zu reden, glaubst du,
da ich vermgend bin, dich zu enterben, wann du mir nicht folgest?

Damis.  Tun Sie, was Sie wollen.  Nur, wann ich bitten darf, lassen
Sie mich jetzt allein.  Ich mu vor meiner Abreise noch zwei Schriften
zustande bringen, die ich meinen Landsleuten, aus Barmherzigkeit, noch
zurcklassen will.  Ich bitte nochmals, lassen Sie mich--

Chrysander.  Willst du mich nicht lieber gar zur Tr hinausstoen?




Achtzehnter Auftritt

Valer.  Anton.  Chrysander.  Damis.


Valer.  Wie, Damis? ist es wahr, da Sie wieder zu sich selbst
gekommen sind?--da Sie von Julianen abstehen?

Chrysander.  Ach, Herr Valer, Sie knnten mir nicht ungelegener kommen.
Bestrken Sie ihn fein in seinem Trotze.  So?  Sie verdienten es
wohl, da ich mich nach Ihrem Wunsche bequemte?  Mich auf eine so
gottlose Art hintergehen zu wollen?--Mein Sohn, widersprich mir nicht
lnger, oder--

Damis.  Ihre Drohungen sind umsonst.  Ich mu mich fremden Lndern
zeigen, die sowohl ein Recht auf mich haben als das Vaterland.  Und
Sie verlangen doch nicht, da ich eine Frau mit herumfhren soll?

Valer.  Damis hat recht, da er auf das Reisen dringt.  Nichts kann
ihm, in seinen Umstnden, ntzlicher sein.  Lassen Sie ihm seinen
Willen, und mir lassen Sie Julianen, die Sie mir so heilig versprochen
haben.

Chrysander.  Was versprochen?  Betrgern braucht man sein Wort nicht
zu halten.

Valer.  Ich habe es Ihnen schon beschworen, da einzig und allein
Lisette diesen Betrug hat spielen wollen, ohne die wir von dem
Dokumente gar nichts wissen wrden.--Wie glcklich, wann es nie zum
Vorschein gekommen wre!  Es ist das grausamste Glck, das Julianen
hat treffen knnen.  Wie gern wrde sie es aufopfern, wenn sie dadurch
die Freiheit ber ihr Herz erhalten knnte.

Chrysander.  Aufopfern?  Herr Valer, bedenken Sie, was das sagen will.
Wir Handelsleute fassen einander gern bei dem Worte.

Valer.  Oh, tun Sie es auch hier!  Mit Freuden tritt Ihnen Juliane das
Dokument ab.  Fangen Sie den Proze an, wenn Sie wollen; der Vorteil
davon soll ganz Ihnen gehren.  Juliane hlt dieses fr das kleinste
Zeichen ihrer Dankbarkeit.  Sie glaubt Ihnen noch weit mehr schuldig
zu sein.--

Chrysander.  Nu, nu, sie ist mir immer ganz erkenntlich
vorgekommen--Aber was wrden Sie denn, Valer, als ihr knft'ger Mann,
zu dieser Dankbarkeit sagen?

Valer.  Denken Sie besser von mir.  Ich habe Julianen geliebt, da sie
zu nichts Hoffnung hatte.  Ich liebe sie auch noch, ohne die geringste
eigenntzige Absicht.  Und ich bitte Sie: was schenkt man denn einem
ehrlichen Manne, wenn man ihm einen schweren Proze schenkt?

Chrysander.  Valer, ist das Ihr Ernst?

Valer.  Fordern Sie noch mehr als das Dokument; mein halbes Vermgen
ist Ihre.

Chrysander.  Da sei Gott vor, da ich von Ihrem Vermgen einen Heller
haben wollte!  Sie mssen mich nicht fr so eigenntzig ansehen.--Wir
sind gute Freunde, und es bleibt bei dem alten: Juliane ist Ihre!  Und
wenn das Dokument meine soll, so ist sie um so viel mehr Ihre.

Valer.  Kommen Sie, Herr Chrysander, bekrftigen Sie ihr dieses selbst!
Wie angenehm wird es ihr sein, uns beide vergngt machen zu knnen.

Chrysander.  Wenn das ist, Damis; so kannst du meinetwegen noch heute
die Nacht fortreisen.  Ich will Gott danken, wenn ich dich Narren
wieder aus dem Hause los bin.

Damis.  Gehen Sie doch nur, und lassen Sie mich allein.

Valer.  Damis, und endlich mu ich Ihnen doch noch mein Glck
verdanken?  Ich tue es mit der aufrichtigsten Zrtlichkeit, ob ich
schon wei, da ich die Ursache Ihrer Vernderung nicht bin.

Damis.  Aber die wahre Ursache?--(Zu Anton.) Verfluchter Kerl, hast du
dein Maul nicht halten knnen?--Gehen Sie nur, Valer--

(Indem Chrysander und Valer abgeben wollen, hlt Anton Valeren zurck.)

Anton (sachte).  Nicht so geschwind!  Wie steht es mit Lisettens
Ausstattung, Herr Valer? und mit--

Valer.  Seid ohne Sorgen; ich werde mehr halten, als ich versprochen
habe.

Anton.  Juchhe! nun war die Taube gefangen.




Letzter Auftritt

Damis (an seinem Tische).  Anton.


Anton.  Noch ein Wort, Herr Damis, habe ich mit Ihnen zu reden.

Damis.  Und?--

Anton.  Sie wollen auf Reisen gehen?--

Damis.  Zur Sache! es ist schon mehr als ein Wort.

Anton.  Je nun! meinen Abschied.

Damis.  Deinen Abschied?  Du denkst vielleicht, da ich dich
ungelehrten Esel mitnehmen wrde?

Anton.  Nicht? und ich habe also meinen Abschied?  Gott sei Dank!
empfangen Sie nun auch den Ihrigen, welcher in einer kleinen Lehre
bestehen soll.  Ich habe Ihre Torheiten nun lnger als drei Jahr
angesehen und selber alber genug dabei getan, weil ich wei, da ein
Bedienter, wenn sein Herr auch noch so nrrisch ist--

Damis.  Unverschmter Idiote, wirst du mir aus den Augen gehen?

Anton.  Je nun! wem nicht zu raten steht, dem steht auch nicht zu
helfen.  Bleiben Sie zeitlebens der gelehrte Herr Damis!  (Gehet ab.)

Damis.  Geh, sag ich, oder!--

(Er wirft ihm sein Buch nach, und das Theater fllt zu.)


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Ephraim Lessing.









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START: FULL LICENSE

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
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Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
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distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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